Unser Sternenkind Jonas #1

Montag, 11. März 2013
Heute moechte ich euch von unserem Jonas erzaehlen. Vorweg moechte ich sagen, dass alles was ich aufschreibe unsere persoenlichen Erfahrungen sind. Es sind Dinge, die wir erlebt haben. Das heißt, es ist allein unsere Erfahrung. Das laesst sich nicht auf jeden Menschen projezieren. Jeder geht mit dem Schicksalsschlag "Sternenkind"anders um.


Ich war in der 15. Schwangerschaftswoche als ich von unserem Baby erfuhr. Ich gebe offen und ehrlich zu, dass unser Baby nicht geplant war. Ich bekam meine Periode den 2. Monat nicht. Zuerst schob ich das auf neue Lebensumstaende, Stress. Doch den Schwangerschaftstest machte ich trotzdem. Er war positiv. Der Mann erfuhr es zeitnah. Fuehlte sich ueberfordert, sagte 10 Minuten lang, dass er kein Vater sein koennte. Dann schickte er mich in die Apotheke um einen 2. Test zu kaufen. Auch dieser war positiv. Daraufhin sagte er: "Wir erzaehlen es meinen Eltern, jetzt..." auf dem Weg dorthin sagte er: "Das ist das Zeichen, dass wir fuer immer zusammen gehoeren"! Seine Eltern waren weder schockiert, noch himmelhoch jauchzend, aber sie freuten sich - sehr sogar.  Das Ihnen ihr aeltester Sohn noch ein Enkelkind schenkt, daran hatten sie nicht geglaubt ;)
Danach fuhren wir zur Frauenaerztin. Eigentlich nahm diese keine Patienten mehr auf, aber sie konnte mich auch nicht wegschicken, ich war ja ziemlich eindeutig schwanger. Und schon damals wusste ich, eine bessere Aerztin koennte es nicht geben und das sollte sich noch mehr als bewahrheiten. Ich bekam einen Termin - in 2 Tagen sollte ich zur Untersuchung kommen. Es wuerde ein Ultraschall gemacht werden und ich wuerde den Mutterpass bekommen. So war es auch. Als ich da so lag und meine Aerztin das Gel auf den Schallkopf drueckte, wurde mir heiß und kalt. Gleich wuerde ich mein Baby sehen. MEIN BABY!! UNSER BABY!! Und auch der Mann war dabei und ich sah ihm an, wie aufgeregt er war. Und es dauerte auch nicht lange und man sah unser Baby zappeln, das Herz schlug kraeftig. Alles war in bester Ordnung. UNSEREM BABY ging es sehr gut und es war super entwickelt. Errechneter Entbindungstermin war der 13. Oktober 2011.

Das war also UNSER BABY! Unser erstes "Foto" uns es war schon so groß. :) Der Mann und ich verdrueckten beide mindestens eine Traene. Es machte uns gluecklich, dass da ein Mensch in mir wuchs. Es war ein wunderbares Gefuehl. Uebrigens sind wir hier 14+5 gewesen.

Daraufhin organisierten wir viel. Wir nahmen jeden Frauenarzttermin wahr. Zweimal waren wir in einer anderen Praxis zur Feindiagnostik, weil unsere Frauenaerztin das nicht anbot. Zweimal, weil ich erst so spaet von der Schwangerschaft erfuhr und weiterhin die Pille nahm. Es sollte sicher gegangen werden, das einfach alles in Ordnung ist -  von Anfang an. Ich suchte mir eine Praxis heraus die auf Praenataldiagnostik spezalisiert war. Leider waren die Schwestern und Aerzte nicht sehr freundlich und man musste Ewigkeiten warten. Aber egal, wichtig war, dass es unserem Baby gut geht.

Das zweite "Foto" unseres Babys bekamen wir am 04. Mai 2011. Hier waren wir nun schon 16+5! Die Aerztin sprach auch dort schon eine vage Vermutung ueber das Geschlecht unseres Babys aus - ein Junge. Ich sollte so einen wunderschoenen kleinen Jungen bekommen. Einen Mini-Rabauken :)

Ab da an fingen wir an Babysachen zu kaufen. Vieles was man eben so braucht. Aber auch noch nicht alles. Ich hatte gerade zu Beginn der Schwangerschaft oft mit Uebelkeit und Erbrechen zu kaempfen, dafuer hatte ich -sofern ich mich erinnere- keine weiteren Schwangerschaftssymptome die mir zu schaffen machten. Ich reagierte zwar empfindlicher auf Gerueche und wollte auch nicht mehr alles essen bzw. trinken, aber das stoert ja nicht weiter. Natuerlich gruebelten wir auch ueber Namen. Ueber den Namen fuer unser Baby, fuer unseren Sohn. Wir wurden uns eigentlich schnell einig und nannten unser Baby ab sofort, nicht nur Baby oder Pooh, sondern auch Jonas. Ich habe mein Baby so oft mit seinem Namen angesprochen. Er passte einfach so perfekt zu dem kleinen Wunderwesen in mir. Alle 4 Wochen hatte ich natuerlich meine Vorsorgeuntersuchung, habe einige Tests gemacht um sicher zu gehen, dass es dem Baby gut gehen wird und das auch mit mir alles in Ordnung ist.
Von Anfang an stand fest, dass ich mein Baby natuerlich gebaehren will und das der Herzensmann mit dabei sein soll. Jonas machte es sich auch relativ frueh in der richtigen Lage bequem. Drehte sich natuerlich immer wieder ... aber er wusste, wo er hinmuss, wenn es soweit ist :) Genau bei 21+0 hatte ich den zweiten Termin in der Praenatalpraxis. Diesmal hat die Aerztin uns versichert, dass wir einen wunderschoenen Jungen bekommen werden, dem er sehr gut geht und der sich praechtig entwickelt.

Unser 3. Bild von unserem Spatz. Und schon hier, sagte der Papa, dass sein Sohn nach ihm kommt, ist schließlich dieselbe Nase und auch derselbe Mund, dasselbe Kinn und ueberhaupt sieht unser Baby hier schon aus, wie der Papa ;)

Wir haben uns ziemlich frueh dazu entschlossen in eine groeßere Wohnung zu ziehen. Damit unser Schatz ein Zimmer fuer sich hat. Wir wollten also noch umziehen, bevor unser Schatz das Licht der Welt erblickte. Geplant war der Umzug Ende September. Eine Wohnung fanden wir zum Glueck. Eine, in der wir uns von Anfang an wohlfuehlten. Wir spuerten, dass das UNSERE Wohnung, UNSER Zuhause wird. Der Herzensmann, Jonas und ich. Eine kleine Familie. Der Herzensmann, der kleine Mann und ich strichen das Kinderzimmer in einem wunderschoenem Meeresblau-Tuerkis-Ton. Der kleine Mann und ich strichen zusaetzlich das Schlafzimmer und ein wenig im Wohnzimmer. Natuerlich nur, so viel wie ich mir zutraute und in meinem "Zustand" schaffte. Es wurde zu Ikea gefahren und eingekauft. Wickelkommode, Schrank, Bett ... eine Wiege bekamen wir von einer lieben Freundin und Arbeitskollegin des Mannes geschenkt. Sie ist wunderschoen. Darin sollte unser Jonas die erste Zeit schlafen, gemeinsam mit uns im Schlafzimmer. Nachdem das Groebste erledigt war, hatte ich wieder einen Frauenarzt-Termin und mein erstes CTG. Der Herzensmann und ich waren aufgeregt wie 2 Bekloppte und so freuten wir uns auch ;) Jonas war vorbildlich und schrieb ein wunderschoenes CTG. Es wurde auch wieder ein Ultraschall gemacht. Der kleine Mann wurde gemessen und wurde schon auf 2500gr. geschaetzt.

 
Unser letztes Ultraschallbild bekamen wir SSW 32+6! Und wir waren so gluecklich, so stolz. Wir konnten es kaum abwarten, dass der kleine Mann auf die Welt kam.

Wir kauften einmal eine blaue Strickjacke. Eine, die ich fand' und die genauso aussah wie eine, die der Papa hat. GENAU GLEICH. Die mussten wir einfach kaufen. Ich malte mir aus, wie ich den Herzensmann und unseren kleinen Schatz in derselben Strickjacke fotografierte. Ein wunderschoener Gedanke. Eigentlich machten wir das jeden Tag. Wir stellten uns die Zukunft mit unserem Baby vor. Die kleinen Momente. Die Momente die man nur MIT KIND erlebt. Ja, wir malten uns tatsaechlich aus, wie es sein wird, wenn Jonas das erste Mal "Mama" oder "Papa" sagt. Wie er auf uns zugerannt kommt, wenn wir ihn aus dem Kindergarten abholen. Und immer wenn wir Babys oder Kleinkinder sahen, stellten wir uns nur die schoensten Dinge vor. Das unser Jonas all das auch mal erleben wuerde und wir duerfen es miterleben, weil er UNS als seine Eltern ausgewaehlt hat. Es machte mich so stolz. Wenn sich mein kleiner Schatz in mir bewegte ... als ich es das erste Mal wahrnahm, war es das Schoenste was ich je in meinem Leben spueren durfte. Ich liebte dieses kleine Wunderwesen in mir abgoettisch. Und ich spuerte, wie er es ebenso tat. Es war einer der Tage, an dem ich den Herzensmann besonders vermisste, als er arbeitete. An dem ich weinte, weil er mir so fehlte und ich ihn so gern bei uns gehabt haette (ich habe damals dauernd geheult - so nah am Wasser gebaut war ich). Und wie ich so im Bett lag und an den Herzensmann dachte, strampelte mein Baby, als ob es mir sagen wollte "Mama, du bist nicht allein, ich bin da und ich vermisse den Papa auch" ... Leider kauften wir erst ziemlich spaet eine Spieluhr. Als wir dann gluecklich waren eine schoene gefunden zu haben, legten wir sie mir noch am selben Abend auf den Bauch und Jonas freute sich. Das zeigte er uns, indem er einfach drauf lostritt ... der Herzensmann hatte ebenfalls die Hand auf meinem Bauch und ich luege nicht, wenn ich sage, dass das einer der schoensten Momente der ganzen Schwangerschaft war. Am Tag darauf wurde es sehr ruhig in meinem Bauch. Ich spuerte mein Baby Mittags einmal ganz deutlich und dann waren wir ein wenig unterwegs, da habe ich es generell einfach weniger wahrgenommen. Ausserdem befand ich mich mittlerweile in der 36. Schwangerschaftswoche und da wird es ja auch langsam eng im Bauch. Also machte ich mir vorerst keine Gedanken. Am Abend legten wir die Spieluhr wieder auf meinen Bauch, der Herzensmann legte wieder seine Hand dazu, doch Jonas reagierte nicht. Wir sprachen uns dann gut zu, dass er schon schlaeft ... doch ich wurde stuendlich wach, stubste den Mann an und sagte ihm, dass sich unser Schatz immer noch nicht gemeldet hat. Woher ich das wusste, obwohl ich schlief, weiß ich nicht. Ich war mir sicher, ich wuerde es spueren und so fest war mein Schlaf nicht. Die Stunden vergingen und so wachte ich frueh auf und teilte dem Mann weinend mit, dass ich unsere Schatz bisher noch immer nicht gespuert habe. Ich wollte nicht zum Arzt. Ich WOLLTE NICHT. Oder vielleicht KONNTE ich NICHT? Weil ich schon wusste, was passiert ist? Ich ging ins Wohnzimmer, aß etwas und trank einen Tee. Der Mann wollte unsere Sohn wecken, holte die Gitarre und spielte ihm viele Lieder vor, sang mit und ich wurde immer ruhiger, schuettelte den Kopf. Bis der Mann sagte, ich sollte jetzt die Aerztin anrufen. Ich tat es, schilderte kurz was war und sollte sofort kommen. Der Mann begleitete mich natuerlich. Ich musste kurz warten, aber es fuehlte sich wie eine Ewigkeit an. Ich streichelte immer wieder meinen Bauch und sprach in Gedanken immer wieder zu meinem Schatz. Ich sagte ihm, er solle aufwachen und mich jetzt doch bitte treten. Ich betete. Dann wurden wir reingerufen. Ich sollte direkt ans Ultraschallgeraet. Meine Aerztin schallte und schallte. Ich betete und doch lief schon eine Traene ueber mein Gesicht. Innerlich zerriss es mich. Ich betete und flehte in Gedanken die Aerztin an, dass sie mir endlich sagte was los ist. Als haette sie meine Gedanken lesen koennen, sagte sie: "Frau ... ich sehe das Herzchen nicht schlagen" In diesem Moment verfiel ich in eine Art "Trance-Zustand" ... ich wollte und konnte es nicht glauben. Das kann nicht moeglich sein. Letztens ging es unserem Schatz noch gut, alles war perfekt. Sein Herz schlug! Heute nichts mehr, ich sah es ja selbst. Der Herzensmann weinte, ihm kullerten die Traenen ueber die Wangen und ehrlich gesagt erinnere ich mich nur noch daran, dass wir beide immer wieder "Nein, Nein, Nein" sagten. Meine Aerztin versuchte dann, so gut wie moeglich an unserer Seite zu sein, die richtigen Worte zu finden. Sie eroeffnete mir dann, dass ich mein Baby gebaehren muss, am besten auf natuerlichem Wege, per Einleitung. Das wuerde am Ende auch bei der Verarbeitung helfen. Natuerlich wollte ich das alles NICHT hoeren. Ich hatte doch eben noch alles fuer sein Zimmer eingekauft. Ich habe ihm seinen ersten Strampler und den ersten Body ausgesucht. Es kann nicht sein, dass ich mein Baby tot zur Welt bringe. Das darf und kann nicht wahr sein. NIEMALS. Die Aerztin riss mich aus den Gedanken, sie fragte den Mann, ob wir jemanden haben, der uns ins Krankenhaus fahren kann. Wir muessten sofort hin, sie wuerde uns anmelden ... sie wuerde aber auch einen Krankenwangen rufen, der uns faehrt. Der Mann traute es sich natuerlich nicht zu, alleine zu fahren, aber er wollte, dass seine Mama uns faehrt. Diese arbeitete und dorthin konnten wir laufen. Das taten wir dann auch. Alle sprachen uns ihr Beileid aus, Aerztin und Schwestern. Sie sagten, dass sie an uns denken wuerden und das ich mich melden solle, sobald ich in der Lage dazu waere. Eigentlich wuerden sie eh alles ueber meine Hebamme erfahren, die sowohl in der Frauenarztpraxis arbeitet, als auch in dem Krankenhaus, indem ich meinen Engel gebaehren wollte. Natuerlich lebend. Ich weiß heute nicht mehr, wie wir es bis zur Mama des Herzmannes geschafft haben, aber als wir ankamen, heulte ich nur, der Herzmann auch und er schaffte es dann zu sagen, was passiert war ... was wir jetzt tun sollten. Seine Mama ueberlegte nicht lange, packte ihre Sachen zusammen und lief mit uns zum Auto des Herzmannes. Den Weg nach Hause wuerde er schaffen. Dort trafen wir uns dann, packten das Noetigste zusammen und dann fuhr uns seine Mama ins Krankenhaus. Und dafuer werde ich ihr IMMER DANKBAR SEIN. Mein ganzes Leben lang ...


So meine Lieben. Ich muss das in mehrere Teile splitten, es wird sonst zu viel auf einmal. Der 2. Teil folgt dann hoffentlich morgen. Habt noch einen zauberhaften Abend.


Kommentare on "Unser Sternenkind Jonas #1"
  1. Es zerreisst mir das Herz das zu lesen. Wenn der schlimmste Albtraum wahr wird fehlen mir die Worte. Aber euer Jonas ist ein Geschenk auch wenn er viel zu früh sein Leben verloren hat.

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    1. Das ist er. Und er hat den Herzmann und mich fuer immer vereint.

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  2. Es tut mir so schrecklich leid, was du durchmachen musstest...Ich habe Tränen in den Augen und mich durchlaufen Schauer. Und mir fehlen die Worte, weil es wirklich unfassbar traurig ist. :'(

    In jeder Schwangerschaft hat man wohl diese gewisse Angst, dass etwas passieren kann. Aber wenn man soweit ist, wie du es warst, das Baby schon fast bereit für die Geburt, alles darauf wartet...Und dann so etwas passiert...Ich will es mir gar nicht vorstellen. :(

    Fühl dich mal ganz feste gedrückt!

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    1. Danke fuer deine Worte...
      Ich hatte ehrlich gesagt nie Angst. Hatte ich ja auch erst in der 15. Woche von ihm erfahren und damit die "gefaehrliche" Zeit ueberstanden. Niemand erzaehlt einem wie viel noch passieren kann, aber ehrlich gesagt, will man das ja auch nicht wissen.

      Ich kann nur sagen, dass er uns viel gelehrt hat und uns hat reifen lassen und das er perfekt war ... perfekt ist! :)

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  3. Bücher die man bisher lass ... Sind ein Dreck gegen das was ihr erleben musstet. ich Weine Rotz und Wasser weil es mich traurig macht welch erschütternde Erfahrung ihr machen musstet!!! Fühl dich gedrückt ! Du bist eine starke Person - ich Bewunderer dich für deine Offenheit und staerke ! Lg Isabella

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  4. Ich finde, du hast einen wunderschönen und bemerkenswerten Weg gefunden, damit umzugehen. Viele schweigen solche Sachen tot, was ich zwar verstehen kann, aber ich denke, dass man sich dabei nichts Gutes tut.

    Das sind solche Dinge, die man immer verdrängt und sich denkt "uns passiert sowas nicht, warum sollte gerade uns sowas passieren."
    Während meiner Schwangerschaft habe ich auf alle gezielten Untersuchungen verzichtet, da ich immer dachte "mein Kind ist gesund, da wird schon nichts sein und wenn dann werde ich es auch genauso lieben"
    Nur gedacht daran, dass wirklich etwas sein könnte, habe ich natürlich nicht. Waren wir doch beide kerngesund und in unserer Familie gab es auch nie einen Vorfall.
    Wir wurden eines besseren belehrt und es ist schwer auszuhalten bis zu dem Zeitpunkt, an dem Klarheit geschaffen wird.
    Unser wundervolles Mädchen wurde mit einer Kleinhirnfehlbildung und verdacht auf einen sog. "Wasserkopf" geboren. Momentan kann uns niemand sagen, an was es ihr einmal fehlen wird. Noch ist ihr Verhalten ganz normal. Doch die wichtigen Sachen wie reden, krabbeln, laufen usw. stehen noch aus. Auch von dem vermuteten "Wasserkopf" ist noch nichts zu sehen.
    Wir müssen alle paar Monate zur Kontrolle. Es wird Ultraschall gemacht, die Gehirnströme gemessen und und und. Noch vergisst unsere Kleine, doch irgendwann wird sie es mitbekommen und ihr Leben wird bewusst anders sein..belastend sein...

    Mit diesem Schicksal habe ich ganz gut gelernt umzugehen, nur das schlimmste ist, dass wir bis zu ihrem 2. Lebensjahr warten müssen. Denn erst dann kann uns eine Genetikerin mitteilen, ob es uns überhaupt möglich ist, einem "gesunden" Kind das Leben zu schenken.
    Damals redeten wir immer von 3 Kindern, da unser Schatz nicht alleine aufwachsen soll. Man fühlt sich schlecht und schuldig, dass man seinem Liebsten kein "gesundes" Kind schenken kann. Und ja, es ist Schwachsinn so etwas zu denken, aber man kann es nicht abstellen.

    Ich bin um jeden Tag dankbar, den ich mit meinem wundervollen Kind verbringen kann und ich bin so froh, dass ich sie habe. Bei solchen Kindern wie meiner Kleinen, wird oft zur Abtreibung geraten, da es oft gravierende Auswirkungen haben kann. Ich bin im Nachhinein froh, diese speziellen Untersuchungen nicht gemacht zu haben. Wer möchte schon hören, dass es besser ist, sein Kind abzutreiben. Wenigstens die Schwangerschaft bis alles anfing (29. Woche) war unbeschwert und schön. Danach war es einfach nur noch schrecklich. Frühzeitige Wehen, dann eine geplatzte Fruchblase in der 31. Woche. So noch liegen bis zur 33. Woche als eine Infektion die Wehen auslöste. Man versicherte mir, dass es besser sei, mein Kind so lange wie möglich in mir zu haben..doch im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Leute in dem Krankenhaus einfach nur überfordert waren und die ganze Situation total gefährlich für meine Kleine. Seit dieser Zeit hat sich mein fröhliches unbeschwertes Leben ins Gegenteil umgedreht und ich finde nur sehr langsam zurück zu meiner bisherigen eigentlich fröhlichen und offenen Art.

    Doch wenn ich mir meine Kleine so ansehe, wie sie jetzt schon beginnt zu brabbeln, wie sie anfängt gezielt zu greifen. Man hat immer die Hoffnung, dass am Ende alles gut wird.

    Ich spreche nie wirklich darüber. Mit meinem Mann darf ich das sowieso nicht. Er verdrängt, für ihn ist sein Kind gesund und er will nichts darüber hören. Ich kämpfe jeden Tag um ein paar Minuten einmal glücklich zu sein, bzw. das Glück zu zulassen. Es ist schwer, seinen Kopf frei zu machen, doch sie schafft es immer wieder, dass ich wenigstens die kleinen Momente genießen kann.

    Du musstest schreckliches durchmachen und lass dir sagen, du hast es als Erste geschafft, dass ich mein Herz und meinen Mund geöffnet habe.
    Ich bewundere dich und hoffe, dass ich es auch irgendwann schaffe für mich selbst so umzudenken.

    Die allerliebsten Grüße
    Michaela

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    1. Liebe Michaela,
      erst einmal danke fuer deine lieben Zeilen. Fuer deine traurigen Zeilen, fuer deine Geschichte. Ich wollte von Anfang an ueber meinen Jonas reden. Ihn "tot zu schweigen" waere ein erneuter "Tod" gewesen. Aber Jonas hat gelebt, geliebt ... und nun ist er ein Engelchen und Teil unseres Lebens.

      Ich bin tief bedrueckt und betroffen von eurem Schicksal ... und trotzdem glaube ich, dass euer Maedchen ihren Weg gehen wird. Egal wie "schnell" sie lernt oder eben nicht, wird sie ds toll machen. Ich bewundere wie du mit deinem Schicksal umgehst. Mir tut es so schrecklich Leid und weh, dass du noch so lange warten musst, um zu wissen, ob du ein "gesundes" Baby bekommen kannst. Diese Ungewissheit ist einfach furchtbar. Ich moechte mir das ehrlich gesagt nicht vorstellen.

      Aber lass mich dir bitte sagen, dass du eine starke Frau bist. Ich lese heraus, dass auch wenn du es gewusst haettest, dein Kind nicht abgetrieben haettest, nur weil Aerzte einem dazu raten. Deinem Kind wird es an nichts fehlen, solange du es liebst, wie es ist. Und wieso sollte nicht eventuell alles gut gehen? Du darfst einfach deinen Glaube und deine Hoffnung nicht verlieren, ja?

      Was ich ganz ganz schlimm finde, dass du mit deinem Mann nicht darueber reden kannst. Mein Herzmann hatte auch eine Zeit lang Schwierigkeiten damit. Aber ich habe einfach immer wieder auf ihn eingeredet. Ihm mein Geschriebenes zu lesen gegeben, sodass er sich selten entziehen konnte und das hat -auch ihm- gut getan. Vielleicht probierst du es mal, er kann die Tatsache ja nicht ewig verdraengen. Ansonsten kann ich dir nur anbieten, dass du mit mir schreiben kannst, wenn es dir hilft. Dann schreibst du mir einfach eine E-Mail ... ich hoere dir gerne zu, wenn du das moechtest.

      Bitte bewundere mich nicht. Bewundere dich selbst. Jeder hat seine eigene Art und Weise mit seinem Schicksal umzugehen. Fuer sich den richtigen Weg zu finden...

      Alles Liebe,
      Sahra!

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  5. Vielen Dank für deine Antwort. Ich beginne nun auch, meine Geschichte in meinem Blog nieder zu schreiben. Nur das mit der Fehlbildung lasse ich weg, da viele die mich kennen, den Blog auch lesen und mein Mann immer sagt, er möchte nicht, dass jemand davon weiß weil er nicht will, dass man unser Kind anders behandelt. Es soll genauso unbeschwert aufwachsen dürfen wie andere. Ich habe noch einmal mit ihm darüber geredet, auch dass ich deine Geschichte gelesen habe und ich es wichtig finde, dass man versucht, die Dinge anders zu sehen. Auch positive Sachen hineinzu setzen.
    Wir sind uns nun darüber einig geworden, dass es wohl einen Grund gibt, warum die kleine UNS ausgewählt hat. Und wir werden alles daran setzen dass es ihr an nichts fehlen wird.

    Ich bin froh, deinen Blog gefunden zu haben. <3

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  6. Ich habe gerade alle drei Teile über Jonas gelesen. Euch ist ein Schicksal erfahren, vor dem alle Eltern insgeheim immer Angst haben. Es tut mir für Euch, für Eure kleine Familie, für Jonas und das Schäfchen leid. Ich wünsche Euch viel Kraft, Trost und einen guten Weg in die Zukunft, den Ihr - so wie man hier liest - schon beschreitet.

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  7. mir laufen gerade die tränen übers gesicht, ich finde es ganz schlimm was du durchmachen musstest. ich glaube das ist ein schicksal wovor viele werdende mamas angst haben.
    ich schick euch ganz viel kraft, als gemeinsame familie werdet ihr das schicksal sicher meistern - und wie ich bis jetzt gesehen habe auch ganz gut meistert <3

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