Unser Sternenkind Jonas #3

Mittwoch, 13. März 2013
Ihr Lieben,
vielen Dank fuer eure herzallerliebsten Worte in den letzten Tagen. Heute moechte ich euch noch den dritten Teil von unserem Jonas aufschreiben. Es geht um die Beerdigung, die Zeit danach, die Folgeschwangerschaft mit unserem Schaefchen und darum, wie Menschen mit uns und unserer Situation umgegangen sind. Ich weiß, ich muesste es sicher nicht nochmal erwaehnen, aber erneut gilt: Es sind unsere persoenlichen Erfahrungen und Empfindungen. Und nun fange ich direkt an, damit es nicht so lang wird wie gestern ;)


Der erste Tag zuhause. Der 14. September. Es war ganz ganz schrecklich fuer uns. Im Krankenhaus kam immer mal ein Arzt, eine Schwester oder eine Hebamme reingeschneit - zuhause waren da nur wir. Der Herzmann und ich. Und es ging uns elend. Wir haben geheult, immer wieder, jeden Tag. Ich wollte am liebsten nicht mehr vor die Tuer, mich einigeln. Dem Mann ging es ebenso. Noch an diesem Tag kam unser Bestatter vorbei um die Sachen fuer Jonas Beerdigung abzuholen und noch einige Sachen abzuklaeren. Wir entschieden uns fuer eine stille Zeremonie, denn selbst der Bestatter meinte, dass er zwar selbst Reden haelt, jedoch an dieser Stelle auch nichts sagen koennte, weil ihn die Traenen uebermannen wuerden. Wir sollten uns also 4 Lieder auswaehlen und diese wuerden in der Kapelle abgespielt, dann wuerden wir zu dem Bettchen von Jonas laufen und ihn beerdigen. Allerdings mussten wir ein paar Tage spaeter trotzdem noch einmal in eine seiner Geschaeftsstellen um uns verschiedene Blumengestecke, Sprueche und Kinder-Urnen anzuschauen, welche sehr selten sind, aber er versprach das wir eine bekommen. Zudem gingen wir zeitnah auf den Friedhof um einen Platz fuer Jonas auszuwaehlen. Der Bestatter sagte uns, dass es auf dem staedtischen Friedhof eine Stelle gibt, an der mehrere Kinder und Babys liegen. Da wollten wir Jonas auch beerdigen. Bei den ganzen anderen, kleinen Engeln. So zeigte man uns auf dem Friedhof, was an dieser Stelle noch frei waere und wir fanden einen "schoenen Platz". Die Frau war sehr freundlich und mitfuehlend. Sie gab uns eine Liste von Liedern mit, die sie vor Ort haetten, wir duerften aber auch gerne eigene auswaehlen, auf CD brennen und am Tag der Beerdigung mitbringen. Wir entschieden uns die Beerdigung zeitnah anzusetzen, damit unser Jonas in den Himmel fliegen konnte ... wir waehlten einen Freitag aus. Meine Mutter kam erneut zu uns. Ich war eigentlich froh darueber, wobei sie auch nicht so richtig darueber reden konnte. So wurde ueber Jonas mehr geschwiegen als geredet. Allerdings begleitete sie uns zum Standesamt um die Geburtsurkunde von Jonas abzuholen. Danach gingen wir noch in die Geschaeftsstelle des Bestatters. Wir waehlten eine wunderschoene hellblaue Urne aus mit einem goldenen Teddybaer darauf. Sie schien perfekt. Wir waehlten einen Spruch aus, der auf dem Band unserer Blumen stand:

"Danke, dass du bei uns warst"

und wir waehlten die Blumen aus. Gelbe und weiße Rosen, zusammengefasst in einem Herz. Ich weinte, zeigte auf Dinge und nickte, wenn ich einverstanden war. Am Tag darauf, wollten wir ihr noch unsere neue Wohnung zeigen - wir wollten schließlich immer noch umziehen, immer noch an demselben Tag. Schließlich waren alle Umzugshelfer darauf eingestellt. Ich glaube, jeder Einzelne haette es verstanden, wenn wir es verschoben haetten, aber das wollten wir -auch fuer uns- nicht. Zudem trafen wir dort meinen Vater mit seiner Freundin und einem Freund der uns unseren Teppich verlegte. Meine Mutter und ich raeumten alle Sachen von Jonas in sein Kinderzimmer und verschlossen die Tuer. Es war ein Stich ins Herz. Das kann man mit Worten nicht beschreiben. Alles war blau und fast fertig, es war liebevoll ausgewaehlt. Und er wuerde es nie tragen oder benutzen. Er wuerde nie durch diese Wohnung laufen. Und dann sagte meine Mutter etwas, das ich damals zu diesem Zeitpunkt, ca. eine Woche nach der Geburt von meinem geliebten Engel, nicht registrierte, kaum reagierte. Sie sagte wirklich Wort fuer Wort zu mir: "Jetzt musst du aber langsam mal wieder was aus dir machen, sonst rennt dir der Mann noch weg" .... ich wuerde jetzt gerne schreiben, dass das gesessen hat und das ich ihr dafuer am liebsten eine "gescheppert" (entschuldigt!) haette, aber ich nahm das gar nicht richtig wahr. Das kam erst lange spaeter, als ich ueber alles nachdachte, alles Revue passieren ließ. Aber das sollte noch nicht alles gewesen sein. Sie fuhr noch am selben Tag. Sie wollte zur Beerdigung wieder kommen, gemeinsam mit meinen Großeltern.
Unterdessen machten wir uns auf den Weg in eine Geschaeftsstelle der Zeitung bei welcher der Mann Fotograf ist. Sie haben uns eine "Todesanzeige" geschenkt. Eine Sache, die ich als schoen empfand. Viele Menschen konnten sehen, dass Jonas bei uns war, das so etwas passierte. Vor allem war es aber auch, ein Stueck weit "Verarbeitung" ....


23. September 2011. Es war soweit. Jonas wurde beerdigt. Ich kaufte mir noch ein schwarzes Kleid. Ich schminkte mich das erste Mal ein wenig, faerbte meine Haare nach. Ich zog einen schwarzen Blazer an und Pumps. Ich wollte schoen sein, fuer meinen Engel. Die Eltern & Großeltern vom Herzmann kamen, meine Mutter und Großeltern und auch mein Vater. Ausserdem die Tante und der Onkel vom Herzmann, seine Chefin und sein Bruder (natuerlich erhielten wir viele Karten von lieben Menschen, die nicht kommen konnten). Wir liefen zur Kapelle, gaben dem Bestatter noch ein Foto von Jonas, welches er zu der Urne stellte, und setzten uns. Da saßen wir, vorne stand die Urne, sein Foto, die Blumen ... ich heulte einfach drauflos, der Herzmann tat es mir gleich. Wir verbrauchten unglaublich viele Taschentuecher, noch ehe die Zeremonie begann. Ploetzlich kam noch jemand in die Kapelle. Es war der Saenger der Band, in welcher der Herzmann spielt. Ich war unglaublich geruehrt, wussten wir doch nicht, dass er kam ... das es ihm so nah ging. Er brachte Blumen mit und ich dankte ihm, ich werde es ihm immer danken. Dann ertoenten die Lieder, welche wir fuer unseren Engel auswaehlten. Bis heute sind wir der festen Ueberzeugung allesamt richtig ausgewaehlt zu haben, was uns auch sehr wichtig war. Wenn ihr wollt, koennt ihr euch hier ein Lied anhoeren, welches MIR persoenlich viel bedeutete.

If only you could see the tears - in the world you left behind
If only you could heal my heart - just one more time
Even when I close my eyes - there's an image of your face
And once again I come to realise - you're a loss I can't replace

Nachdem alle Lieder gespielt wurden, liefen wir geschlossen zu dem Bettchen von unserem Engel. Der Friedhofswaerter (welcher mir unglaublich sympatisch war) verlas noch ein Gedicht, von dem ich aber zugegebenermaßen NICHTS mitbekam, es also LEIDER auch nicht wiedergeben kann. Dann wurde unser Engel in die Erde gelassen. Als erstes nahm ich mir Blumen, widmete Jonas meine Gedanken, meine Worte ... und versicherte ihm meine bedingungslose, niemals endende Liebe. Ich heulte und heulte und gab ihm wohl auch ein paar Traenen mit auf den Weg. Dann war der Herzmann an der Reihe und auch er blieb eine Weile stehen, gab ihm Blumen, Gedanken, Worte und Traenen mit auf den Weg. Danach schlossen sich die anderen an. Teilweise hatten sie eigene Blumen dabei, die daneben gelegt wurden, um danach auf dem Grab zu liegen, umarmten uns, sprachen uns ihre Trauer und ihr Mitgefuehl aus und gaben uns Briefumschlaege mit wunderschoenen Trauerkarten und auch Geld fuer die Beerdigung. Danach liefen alle zum Parkplatz, wir verweilten noch kurz bei Jonas allein, holten dann wieder unser Foto ab und liefen auch zu den anderen. Dort verabschiedeten wir uns und fuhren nach Hause. Ich war dann ehrlich gesagt froh, mit meiner Trauer und meinem Herzmann allein zu sein. Wir lasen die Karten, waren dankbar fuer das Geld. Am Abend besuchten wir unseren Engel noch einmal allein. Das Grab wurde wundervoll hergerichtet. Wir waren zwischenzeitlich uebrigens schon umgezogen und fuehlten uns im neuen Heim sehr wohl. Ich habe lange mit mir gehadert, habe mich mit dem Herzmann besprochen und wir wollen Fotos vom Grab mit euch teilen. Hoffentlich ist EUCH das nicht zu viel. Bedenkt, dass dieser Platz fuer uns, kein Platz der Trauer ist. Mir hat es unheimlich geholfen einen Ort zu haben, an dem ich Jonas besuchen kann, an dem ich noch etwas fuer ihn tun kann ... an dem ich mit ihm reden kann. Ich kann dort mit ihm die Sonne genießen.


Schon im Krankenhaus stand fuer uns fest, das Kinderzimmer soll nicht leer bleiben. Wir wuenschten uns ein Geschwisterchen. Ich habe gar nicht erst wieder die Pille genommen. Wir sagten uns, wenn es sein soll, soll es sein. Wenn wir alle bereit sind, wird es passieren. Und es dauerte nur knapp 2 Monate, da hielt ich den positiven Schwangerschaftstest in den Haenden. Gerade einmal hatte ich meine Periode bekommen. Ich haette es nicht fuer moeglich gehalten, dass es so schnell gehen wuerde. Ich weinte, hielt dem Herzmann den positiven Schwangerschaftstest unter die Nase und sagte nur "Ja, da ist doch ein zweiter Strich, oder?" Und er weinte und umarmte mich. Wir waren so gluecklich und gleichzeitig so aengstlich. Ich vereinbarte einen Frauenarzttermin und schon bald hielten wir das erste Ultraschallbild in unseren Haenden. Alle 14 Tage hatte ich nun eine Vorsorgeuntersuchung. Jedes Mal hatte ich einen Ultraschall und das dazugehoerige Bild bekommen. Besonders untersucht wurde hier und bei der Feindiagnostik immer die Nabelschnur, auf unseren Wunsch hin. Natuerlich passiert sowas nur einmal unter 1000 und die Wahrscheinlichkeit das es uns ein 2. Mal trifft ist ungemein gering, aber du bekommst das nicht raus. Meine Frauenaerztin war so einfuehlsam, der Herzmann war bis auf ein/zweimal bei jedem Termin dabei. Eines Morgens, ich muss Anfang des 3. Monats gewesen sein, bekam ich Blutungen. Der Mann war arbeiten und ich brach zuhause im Flur einfach zusammen. Ich rief ihn an, konnte vor Traenen kaum ein Wort rausbringen. Ich dachte, ich verliere zum zweiten mal MEIN Baby. Das durfte doch nicht sein. Das wuerde Jonas nicht zulassen. Der Herzmann konnte einfach nicht weg von der Arbeit und rief seine Mama an - ich haette nicht alleine gehen koennen, vermutlich haette mich ein Auto erfasst - seine Mama dachte nicht lange nach, holte mich ab und fuhr mit mir zur Praxis. Alle waren geschockt, ich kam ziemlich schnell dran und alles war in Ordnung, meine Aerztin zeigte mir immer wieder wo und wie das Herz schlaegt. Auch meine Schwiegermami in spe konnte das sehen. Alles war gut. Meine Aerztin verstand mich, sagte mir, ich koenne immer vorbei kommen, wenn ich das Gefuehl haette, das etwas nicht stimmte. Die Schwestern waren ganz begeistert von meiner Schwiegermami ... ich haette so ein Glueck, dass sie mitkam. Das stimmt, der Normalfall ist das sicher nicht. 
Natuerlich begleitete uns staendig die Angst. Da ich dieses Mal eine Vorderwandplazenta hatte, spuerte ich mein Baby erst sehr spaet, als ich sie dann spuerte wurde es fast schlimmer. Jedes Mal, wenn mein Baby nicht reagierte, bekam ich unfassbare Angst, einmal war ich auch wieder bei meiner Aerztin, welche mir wieder versicherte, dass sie mich versteht und das voellig normal und in Ordnung  ist. Die Feindiagnostik konnten wir diesmal im Krankenhaus machen, wo ich Jonas entbunden habe. Sie hatten eine neue Chefaerztin und die brachte das Geraet direkt mit. Auch mit ihr fuehrten wir viele Gespraeche. Wir hatten Glueck, sie kannte unsere Geschichte, eine Schwester hatte sie informiert. Wir waren schließlich damals, nach 5 Tagen Einleitung, Gespraechsthema Nummer 1. Die Chefaerztin war unheimlich nett und auch sie sagte immer wieder, wenn etwas sei, ich Angst haette etc. koennte ich immer kommen, keiner wuerde mich wegschicken ... wenn ich mich im Krankenhaus unter Beobachtung besser fuehlte, koennte ich auch mal ein paar Tage bleiben. Aber nein, von Krankenhaus hatte ich genug. Zuhause war es halt am schoensten. Wir durften oft kommen. Und irgendwann hielten wir es mit unserer Angst nicht mehr aus. Die Angst ist immer da, Tag und Nacht dein staendiger Begleiter. Ich bekam in der Schwangerschaft 2Mal unheimlich Schwindelanfaelle, sodass ich nicht laufen konnte, alles schmerzte, ich mich uebergab...einmal MUSSTE ich deswegen ueber Nacht im Krankenhaus bleiben. Bei der letzten Feindiagnostik entschieden wir uns fuer eine Einleitung bei 37+0! Ab da waere mein Baby kein Fruehchen mehr, die Gefahr gering, dass sie auf die Neugeborenen-Station muss. Ich wollte meine Prinzessin natuerlich gebaehren, ist doch klar.  6 Tage Einleitung im Juli *schwitz* ... gefuehlte 100 Frauen bekamen vor mir ihr Kind. Tatsaechlich waren es sicher 10 - die Fruchtblasen sind an diesen Tagen nur so im Minutentakt geplatzt. Gott war ich sauer...alle, nur ich nicht. Am 6. Tag sagte die Chefaerztin dann, dass wir jetzt so lange einleiten, bis mein Baby kommt, so kann es ja nicht weiter gehen. Eine Nacht lang lief ein Wehentropf nach dem anderen in meinen Koerper, gespuert habe ich es nur seitlich im Liegen, sonst nicht. Das kann doch nicht sein. Nach einer schier endlosen, schlaflosen Nacht kam am Morgen die Chefaerztin, untersuchte den Muttermund und machte die Fruchtblase auf. Danach wurde Solveig angerufen. Ja, meine Solveig. UNSERE Solveig. Sie wollte unser Baby holen. Wieder. Diesmal lebend. Von ihr zum Krankenhaus dauert es ca. 45min.! Es war frueh um 7h als man sie anrief um 8h war sie da! Ich fuehlte mich so sicher, so geborgen. Ich wusste, JETZT ist es soweit, es kann NICHTS mehr passieren. Gleich werde ich erneut Mama. Von der kleinen Schwester unseres Engels. Welche er uns schenkte. Welche er beschuetzte und bewachte. Es dauerte 30min. - dann kamen die ersten Wehen. Die Sonne schien und 3 1/2 Stunden spaeter war unsere kleine Helene auf der Welt. Der Mann weinte und fotografierte. Ich befand mich wohl wieder in einer Schock-Starre oder so. Der Mann schnitt die Nabelschnur durch, meine Prinzessin wurde mir auf den Bauch gelegt und sie atmete. Ich weiß nur, wie ich immer wieder sagte "Sie lebt, sie lebt" ... mein Schaefchen, mein Babymaedchen, Jonas kleine Schwester. Solveig nahm ihre Groeße und ihr Gewicht, dann musste die Maus in die Waerme. Die ganze Zeit saßen wir bei ihr, streichelten sie durch Eingriffsloecher ... nach ca. 3 Stunden wurde es ihr zu warm, sie schrie und war ganz rot, sie wurde mir endlich wieder gegeben und dann durften wir auf unser Familienzimmer mit unserer Tochter. Welche die Augen oeffnete und wieder schloss. Unser Traum wurde wahr. Jonas hat uns eine kleine Schwester geschenkt. Er hat sie ausgesucht... 

Jetzt noch einige Dinge die mir auf der Seele brennen, die ich noch teilen moechte.
Wir haben Jonas anfangs alle 2 Tage besucht. Irgendwann alle 3 Tage. Seit Leni da ist, mindestens noch 3mal die Woche, ausser jetzt im Winter. Wir machen ihm sein Grab immer neu - zum Fruehling, Sommer, Herbst und Winter. An Weihnachten und zum Geburtstag lassen wir uns etwas Besonderes einfallen. Ja, wir ziehen unser Schaefchen in dem Wissen auf, dass sie einen Bruder hat, welcher im Himmel bei den Sternen wohnt und auf sie Acht gibt. 

Zur Beerdigung bekam Jonas von den Eltern und vom Bruder des Herzmannes einen Teddy. Beide wurden uns entwendet und noch heute fange ich an zu weinen, wenn ich an den Tag zurueck denke, als sie ploetzlich nicht mehr da waren. Was fuer Menschen muessen das sein, die von einem Kindergrab Teddys klauen? Ich wuensche wirklich wenigen Menschen etwas schlechtes, aber diesen wuensche ich, dass ihnen die Haende abfallen. 

Mein Vater war aus meiner Familie der Einzige der eine Karte und Geld zur Beerdigung gab. Meine beste Freundin und deren Eltern kamen ihm am Grab besuchen und brachten ein wundervolles Gesteck mit ... ein Windrad und einen Engel. Meine Mutter besuchte ihn auch einmal mit meiner Schwester, sie brachten weder zur Beerdigung noch zum Besuch Blumen mit. Meine Mutter beschwerte sich im selben Jahr zu Weihnachten, dass ICH nicht angerufen habe. Daraufhin sagte ich ihr meine Meinung. Im Gegenzug richtete mir meine Schwester dann aus, dass Jonas ja nie gelebt haette, dass ich nicht verlangen kann, dass man einem nie dagwesenem Baby Blumen ans Grab bringt und das man ja mit der Trauer auch anders umgehen koenne. Daraufhin brach ich den Kontakt ab.

Zuhause hat Jonas seinen festen Platz. Wir haben ein Foto von ihm aufgestellt. Davor steht ein Teelichthalter, wo wir jeden Tag eine Kerze anzuenden und ein Engel. Auch an der Wand haengt ein Bilderrahmen mit 3 Fotos. Hand, Fuß und Gesicht. Dasselbe haengt unmittelbar daneben von seiner Schwester. Wir haben alle Sachen, die wir fuer Jonas kauften aufgehoben, nutzen sie fuer Leni und zogen ihr auch Kleidung an, die fuer Jonas vorgesehen war.

Besonders geholfen hat es mir, Geschichten von anderen Betroffenen zu lesen. Menschen die auch nicht schweigen. Wir haben von unserer lieben Freundin Heike das Buch Erinnerungen an Dich geschenkt bekommen. Dieses immer wieder mit Inhalt zu fuellen ist wunderbar. Ich habe viel mit meiner besten Freundin und deren Mama geredet, sie sind meine Familie. Der Herzensmann hat viel mit seiner Mama geredet. Sie haben das Foto von Jonas auch an ihrer Familienwand aufgehangen. Ausserdem habe ich mir das Buch Tief im Herzen und fest an der Hand bestellt, welches mir auch irgendwie half. Man fuehlt sich einfach nicht mehr alleine. Aber das was am meisten half, war die noch viel engere Bindung zum Herzensmann. Unsere Liebe. Die Gewissheit, dass Jonas noch da ist, nur an einem anderen Ort. Wir haben oft in die Sterne geschaut und werden es in sternenklaren Naechten auch wieder tun. Wir haben geredet und uns Halt gegeben. Der Herzensmann war IMMER an meiner Seite. Im Krankenhaus ging er nicht, er blieb ... bei Jonas und bei Leni. Wir kamen und wir gingen gemeinsam. 

Wir lieben uns nach wie vor. Jonas hat uns so viel beigebracht. Er hat uns viel gelehrt und er hatte seinen Auftrag. Ich weiß, dass er auf uns wartet, am Ende des Regenbogens - um uns seine Welt zu zeigen.

Mein Engel, vielleicht klingt es albern, aber Leni weiß wer du bist, sie schaut dein Foto oft mit großen Augen an und verhaelt sich meistens sehr ruhig, wenn wir dich besuchen. Du bist ihr wundervoller, großer Bruder und wir verdanken dir alles. Durch dich, sind wir zusammengewachsen und durch dich haben wir viel gelernt. Nie, werden wir dich vergessen. Im Schaukelstuhl noch, werden wir ueber dich sprechen.  Jonas, wir wuenschten du waerst niemals von uns gegangen, denn dann waere unser Leben perfekt. Du und Leni gemeinsam an unseren Haenden. Niemals wird diese Wunde heilen und trotzdessen deine Schwester unser Leben ein Stueck perfekter und um einiges gluecklicher macht (weil sie die tollste und schoenste Prinzessin der Welt ist) wirst du immer fehlen. Wir werden oft an dich denken und wann du wohl das erste Mal gelaechelt haettest oder wann du gelaufen waerst. Doch etwas hilft uns, dass wir wissen, dass du uns auf deine Weise begleitest, als kleiner Stern oder als Sonnenstrahl oder als was auch immer – du nimmst Gestalt an, wann immer du bei uns sein willst. Kleiner Engel, wir lieben dich und jede Erinnerung an dich hilft uns mit der Trauer etwas besser umzugehen.Wir werden uns wiedersehen.


Meine Lieben, ich danke euch fuer eure Zeit ... das ihr meine vielen Zeilen und die Geschichte von Jonas gelesen habt. Ich habe auch heute, keine Kraft mehr eine Ueberpruefung auf Fehler durchzufuehren und hoffe ihr nehmt es mir nicht krumm. Ich wuensche euch nur das allerbeste.

P.S.: Falls ihr noch Fragen zu einem bestimmten Thema habt, schreibt es mir einfach in die Kommentare, per Facebook, Twitter oder E-Mail. Dann werde ich darauf nochmal genauer eingehen. 

Eine traumhafte Nacht und alles Liebe

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