Des Zukkermädchens U7

Freitag, 13. Juni 2014
Heute war es also soweit. Ich muss ja ehrlich gestehen - ich war mega nervös, obwohl ich mir vorgenommen hatte ganz ruhig zu sein. Naja, wie immer hat das nicht funktioniert. Mir schwirrte einfach nur im Kopf herum, wie die Kinderärztin bisher immer reagiert hat und ich hatte so gar keine Lust auf die Untersuchung. Zum Glück war der Termin erst um 11:30h, die Nacht war nämlich ausnahmsweise mal nicht die Beste und ich war froh, dass wir ein bisschen mehr Zeit zum Wachwerden hatten. Außerdem würden wir an einem Freitag kurz vor zwölf vermutlich die letzte Untersuchung sein - hoffte ich. Wir aßen Frühstück, machten uns fertig und kaum im Auto musste ich schon wieder auf die Toilette. Aufregung eben. Ich weiß ja, was das Zukkermädchen kann, ich weiß aber auch, was sie noch nicht kann (obwohl sie das müsste). Allerding bin ich auch der Ansicht, dass diese Untersuchungen die Eltern teilweise sehr unter Druck setzen und diese projezieren diesen Druck dann auf ihre Kinder. Ich denke gerade bei dem ersten Kind sind da die "Sorgen" am größten. Hinzu kommt, dass ich es nach wie vor schwer finde ein Kind innerhalb von 15-20 Minuten einzuschätzen - in einer "fremden" Umgebung mit "fremden" Menschen. [Denn, was soll ich sagen: Wir waren TATSACHE seit der U6 nicht mehr beim Arzt.] Ich sollte mehr als recht behalten. Unser Zukkermädchen wollte schon die Tür zum Kinderarzt nicht betreten. Im Wartezimmer war dann aber alles tiptop und sie probierte so ziemlich jedes Spielzeug einmal aus, rutschte eine Rutsche die gerade so lang war wie sie selbst und rannte durch die ganze Praxis. Als wir dann aufgerufen wurden, fand' sie das mega blöd und ließ das auch direkt jeden wissen. Beim Ausziehen dann das nächste Drama dank Höhenangst. Deswegen wickeln wir auch nur noch auf dem Boden und haben gar keinen Aufsatz mehr dafür. Aber dieses Mal musste sie da durch, sie kann schließlich nicht mit Klamotten gewogen werden. Danach ließ sie sich kaum beruhigen, unternahm einen Fluchtversuch und klammerte unheimlich. Mal an mir, mal am Mann. Noch schlimmer wurde es beim Vermessen. Danach war es echt vorbei und ich dachte - die Untersuchung kannste komplett knicken. Dann kam die Ärztin und schaute sich an, wie das Zukkermädchen läuft. Aber sie wollte eigentlich nicht laufen. Lieber weinen, kreischen und dabei auf der Stelle stehen bleiben. Irgendwann lief sie dann aber doch ein paar Schritte, was unserer Ärztin schon vollkommen ausreichte, denn sie zeigte sich total beeindruckt und meinte das die wenigsten Kinder in dem Alter schon so perfekt laufen. Wir hatten auch richtig Glück, denn durch das Weinen und klammern wollte sie hochgenommen werden und führte auch direkt vor, wie sie auf Zehenspitzen stehen und laufen kann. Hach. Da fiel mir erstmal ein Stein vom Herzen, aber da hatte ich auch keine Bedenken. Sie läuft ja bereits seit dem 10. Monat ziemlich sicher. Dann wurde der kleine Körper untersucht. Alles gut, nur das Gebiss ist noch ein wenig offen und unsere Ärztin legte uns ans Herz den Schnuller langsam abzuschaffen ;) Das hatten wir aber sowieso vor, da sie ihn nur noch zum Einschlafen "benötigt"! Sie fragte uns nach der Sprache und wir zählten Wörter auf die sie schon sprechen kann. Schlimm fand' sie es nicht, dass die Maus noch keine 2-Wort-Sätze spricht, im Heftchen wurde es aber natürlich angekreuzt - muss alles seine Ordnung haben. Sie spricht aber ausreichend Worte (da wurde uns einfach vertraut - warum auch selbst belügen). Außerdem hat die Püppi ein gutes Verständnis und ihre motorische Entwicklung ist sehr gut - das wurde dann im Spielzimmer festgestellt, in welches ich nicht mit hinein durfte, weil immer nur ein Elternteil dabei sein darf (warum?)! Da die Püppi gerade eh am Papa hing, sagte ich, er solle mit ihr gehen. Und was dort dann passierte, kann euch der Mann besser erzählen ;)

So, jetzt sind wir hier also im "Spielzimmer", das verdächtig nach einem weiteren Behandlungsraum aussieht. Wir nehmen am Spieltisch (Behandlingsliege) Platz, Leni auf meinem Schoß, noch immer am Schluchzen und mir schwant nichts Gutes. Erstmal aufwärmen mit einem Auto. Die Gelegenheit, "Auto" zu sagen, Leni. Na gut, dann nicht. Als erstes soll Leni nun Türmchen bauen. "Gut", denke ich, "das hat die Mama mit ihr ja vorhin noch geübt." Leni wirft die Bauklötze natürlich halbherzig zur Seite, als die Schwester ihr dann aber die geforderte Aufgabe vormacht, baut Leni schließlich doch. Natürlich stapelt sie die Steine sowas von akkurat übereinander, dass ich spontan wieder an Mamas Monk-Theorie denken muss. Das Einräumen der Steine in einen Beutel ist für Leni dann sowas wie ein Heimspiel. Jetzt soll sie einen Cremedose öffnen und die darin befindlichen Plastechips auskippen. Oh-oh. Das wird nix. Die Schwester hilft. Leni, wohlerzogen wie sie ist nimmt natürlich einen Chip nach dem anderen hereaus und legt ihn vor sich und ist folglich noch frustrierter als ohnehin schon als die Schwester die Plasteteile wieder zurückpackt, weil ja AUSKIPPEN die Aufgabe ist. Letztendlich hilft die Schwester nach und kippt die Dose fast selber aus. So. Jetzt einen Chip mit dem anderen Wegschnippen. "Was?", denke ich und krame in meinem Langzeitgedächtnis: "Wann konnte ich das eigentlich? Mit 8 Jahren oder später???" Bravorös verweigert Leni auch diese Aufgabe, nimmt aber zumindest einen Chip in die Hand, sodass die Schwester auch hier nachhelfen kann. Das Zurückräumen der Chips in die Dose ist für Leni ein Heimspiel. Jetzt MALEN. - LÄUFT - Leni zaubert ein tolles Bild, bunte Kreise auf Papier, ich platze vor Stolz und auch die Schwester ist begeistert. Sie versieht das Bild mit Name und Datum. "Wird bestimmt mal viel Wert sein...", denke ich noch so, dann ist es schon verschwunden. Die Schwester meint, dass müsse sie unbedingt noch der Ärztin zeigen. Das Wegräumen der Stifte ist für Leni ein Heimspiel. Die Schwester zeigt Leni nun ein Bild mit Tieren, tippt auf den Hund und will wissen, auf was sie zeigt. Leni heult. Ich schreite ein und sage: "Das nennt sie Wau-Wau. Alles mit Fell nennt sie Wau-Wau. Alles andere Kiki." Leni heult. Die Schwester gibt sich zufrieden und fragt nach ihrer Nase. Leni heult. "Das hätten wir zur Not auf Video", sag ich und werde ignoriert. Nun darf Leni mit einem Ball spielen. Sie wirft ihn herum. Glanzleistung! Danach soll sie ihn aber treten, die Schwester macht es vor und Leni ignorert sie. Irgendwann tritt sie aus Versehen gegen den Ball. Gottseidank, Test bestanden. Jetzt noch ein Speilzeug am Strick hinterherziehen. Leni nutzt die Gelegenheit und versucht zu flüchten... Leider fehlen ihr bis zur Tür ein paar Millimeter. Das Einräumen des Balls in den Schrank ist für Leni ein Heimspiel. Sie kriecht allerdings mit rein. Übrigens weint sie immer noch. Danach greift sie nach der Schranktür und sagt "Tsu!" Endlich. Das zweite Wort nach "Tschüss", dass sie ja bereits zu Beginn der Veranstaltung gesagt hatte. Die Schwester kommt zu dem Ergebnis, das Leni bestanden hat und wir dürfen wieder gehen. Zu Mama, die draußen wartet. "Alles gut!", sage ich. "Aber sie hat doch die ganze Zeit geweint?!" wundert sich Mama. "Ja, aber gespielt hat sie trotzdem, irgendwie." sage ich. Leni heult noch immer, beruhigt sich aber langsam. Alles ist vergessen, als sie die Rutsche sieht.

Insgesamt ist unser Zukkermädchen also ein ganz normal und gut entwickeltes, fast 2-jähriges Mädchen, welches aber auf die ganze Untersuchung null Bock hatte. Trotzdem sind wir sehr zufrieden. Auch wenn ich etwas traurig war, dass sie sich so unwohl fühlte und wirklich kaum Freude bei dem Besuch empfinden konnte. Außer im Wartezimmer, bei der Rutsche. Es war sehr anstrengend durch das nicht endende Gequengel (was ich auch so - bei ihr - gar nicht mehr kenne). Das zog sich dann auch so ein bisschen durch den restlichen Tag. Ganz überrascht war ich wirklich, dass die Ärztin sich jeglichen Kommentar zum Gewicht verkniffen hat, obwohl die Püppi schon ordentlich zugelegt hat. Aber immerhin ist sie in einem Jahr auch fast 15cm gewachsen. Vielleicht haben sie auch einfach das gesehen, was wir täglich sehen. Ein sportliches Mädchen mit Muskeln. Denn ihre Maße und ihre Kleidergröße entsprechen der Norm von 1 1/2 - 2-Jährigen Kleinkindern. Also alles prima und ich habe mir ganz umsonst Sorgen gemacht. Ich muss wirklich sagen: Das war toll und jetzt gehe ich das nächste Mal auch viel entspannter zu unserer Kinderärztin und das ist ein wirklich schönes Gefühl. Ich sollte mich eben NIEMALS beirren lassen. Ich mache das gut hier, mit meinem Wirbelwind. Und wer weiß, vielleicht zeigt die Püppi sich das nächste Mal von ihrer Schokoladenseite und verzaubert alle, weil sie sich an die Rutsche erinnern kann. Wer weiß. Ich lasse mich einfach überraschen!

Kommentare on "Des Zukkermädchens U7"
  1. Ich bin vor den U-Untersuchungen auch immer aufgeregt und dann ist doch alles gut. Eure Maus ist wirklich zuckersüß!

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    1. Das ist schon komisch, oder? :)
      Vielen Dank!

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  2. Ich bin auch schon so aufgeregt vor der U7! Ich bin mir absolut sicher, dass mein Mädchen weinen und jammern wird und sich verweigert. Sie hasst einfach den Kinderarzt. Hinzu kommt, dass wir auch noch genau dann zu einem anderen Arzt gehen werden. Autsch! ich habe mir aber fest vorgenommen nicht andauernd zu sagen: "Sonst macht sie das aber..." :D
    Ich finde es immer so herzerfrischend schön, dass du ganz normale Ängste und Gedanken niederschreibst. Da fühle ich mich nicht ganz so blöde und alleine mit meinem Kopfwirrwarr. Toll fand ich auch, dass der Papa auch mal zu Wort kam. :)
    Ihr habt ein tolles Zukkermädchen!

    Ich bin übrigens die letzten Male immer nur über das Handy auf deinen Blog gegangen und habe gar nicht gemerkt, dass dieser ein neues Kleidchen anhat. Oder doch!? Hmm.. sieht jedenfalls toll aus! Hast du das alleine so hingebastelt?

    Liebe Grüße
    Tanja

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    1. Liebe Tanja :)

      Du hast recht, immer zu sagen "sonst macht sie das immer..." ist dem 1. wahrscheinlich egal oder 2. er weiß das... der untersucht ja schließlich auch nicht das 1. Kind, abgesehen davon, haben die sicher auch schon viel Unsinn gehört. Am Ende bilden die sich eh ihre eigene Meinung - wie du nun aussehen mag, wissen nur sie selbst. Ich drücke euch auf jeden Fall ganz doll die Daumen, dass alles besser wird, als du es dir jetzt vorstellst!

      Ich mag es eben selbst auch sowas zu lesen. Man merkt einfach, dass das alles ganz normal ist, wir sind alle nur Menschen und die machen sich nun mal Sorgen und haben Ängste. Ich freue mich, dass du magst was und wie ich es aufschreibe!

      Und danke für deine liebe Worte! Du hast recht, sie ist toll - ebenso wie deine Maus!

      Ja, er hat seit einer Weile ein neues Kleid an und ich mag es wirklich gerne! Schön sommerlich und frisch irgendwie :) Schön das es dir gefällt! Ja, ich habe das alleine gemacht. Ich schaue immer was mir so auf anderen Blogs gefällt und lasse mich inspirieren. Dann werfe ich Google an und schaue, wie ich das mit HTML Hilfe selbst hinbekomme. Einzig bei einer Sache musste der Mann mir mal unter die Arme greifen und Gott sei Dank hat er es dann hinbekommen :)

      Alles Liebe,
      Sahra!

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