Jonas, ich vermisse dich!

Freitag, 29. August 2014
Für den Kindergarten müssen wir ein paar Fragebögen über die Püppi ausfüllen. Einige der Fragen sind sehr intim. Doch am schwersten fiel uns die Frage nach den Geschwisterkindern auszufüllen oder wer eben zur Familie gehört. Natürlich waren der Mann und ich uns von Anfang an einig, dass Jonas nicht unerwähnt bleiben soll. Er gehört zu uns. Zu UNSERER Familie. Er ist unser Kind. Er ist der große Bruder vom Zukkermädchen. Aber wie schreibt man das auf? Der eine Fragebogen wird in den Ordner der Püppi geheftet, der andere ist für die Erziehrinnen. Da konnten und wollten wir nicht "verstorben" schreiben. Ich hatte die Idee "Jonas, mein Bruder der im Himmel wohnt" zu schreiben, aber irgendwie entschieden wir uns doch dagegen. Ich weiß nicht so genau warum, aber schon jetzt hört es sich nicht mehr so schön an, wie ich heute morgen dachte. Wir einigten uns dann einfach auf "Mein Bruder Jonas (Sternenkind)". Irgendwie hat mich das aber auch nicht ganz überzeugt. Es ist wirklich schwierig für "fremde" Menschen auf Papier in kurzen Worten etwas festzuhalten, das so viel mehr Worte benötigt. Etwas, das ich nie verkraften werde. Das schlimmste, was mir im Leben passiert ist. Kurz und knapp zusammen gefasst. Mit einem Wort. Vielleicht hört sich das komisch an, aber oft ist mir danach JEDEM unsere Geschichte mit Jonas zu erzählen. Mir brennt es noch heute stets auf dem Herzen. Ich möchte von Jonas erzählen und tue es doch so oft nicht. In die kleine Holzkiste, in der alle Erinnerungen aufbewahrt werden die man berühren kann, schaue ich nur noch sehr selten. Nicht, weil ich es nicht will, sondern weil ich weiß, dass es weh tut. Und das merke ich auch jetzt. Sobald ich intensiv an ihn denke, über ihn schreibe oder rede, kann ich die Tränen nicht zurückhalten. Und ich muss doch stark sein. Für die Püppi. Den Mann. Ich muss funktionieren. Und wenn ich alleine bin, dann lenke ich mich ab. Mit dem Haushalt oder Serien um einfach nicht darüber nachzudenken, weil es noch immer so verflucht wehtut.

How very softly you tiptoed into our world. Almost silently, only a moment you stayed. Oh, but what an imprint your footprints have left on our hearts.

Mein kleiner Engel ist nicht bei uns. Er treibt mich nicht wie seine Schwester in den Wahnsinn, aber er lächelt mich auch nicht an und sagt "Mama". Er kann nicht auf dem Spielplatz rumtollen und in den Wäldern Stöcke und Steine sammeln. Er hat diese, unsere Welt, nur durch meinen Bauch gesehen. Dabei hätte ich ihm so gerne, so viel mehr gezeigt. Hätten wir doch nur etwas mehr Zeit gehabt. Ich möchte manchmal in der Zeit zurückreisen und noch einmal den Moment erleben, in dem ich ihn das erste Mal in meinen Armen gehalten habe. Ich möchte ihn fest an mich drücken, ihn küssen und ihm noch 1000mal sagen, wie sehr ich ihn liebe, wie sehr er mein Leben bereichert hat und das er ein Wunder ist. Ich möchte ihm so viel erzählen. Und ich weiß, dass ich das tun kann, aber ich habe Angst. Ich kann nicht standhalten, ich würde zusammen brechen. Es schnürt mir die Kehle zu und drückt meine Luft ab. Ich dachte, der Schmerz würde irgendwann einmal weniger werden, aber in Wirklichkeit stellt er sich nur hinten an, bis er irgendwann wieder mit voller Wucht herausbricht. So viele Dinge hätte ich gerne mit ihm erlebt und geteilt. Und auch wenn er uns immer begleitet ist das eben einfach nicht dasselbe. Wird es nie sein. Ein Stück meines Herzens wird immer fehlen, es wird nie wieder richtig heilen, das Stück ist bei ihm und da gehört es auch hin. Mit ihm habe ich das erste Mal erlebt, was es bedeutet einen Menschen bedingungslos zu lieben. Ich habe erfahren was Mutterliebe ist. Und ich danke ihm für alles, was er mir beigebracht hat. Ich danke ihm für seine Liebe und sein Vertrauen. Für seine Stärke und seinen Mut. Dafür, dass er bei uns war, das ich ihn kennen lernen durfte, auch wenn unsere Zeit viel, viel, viel zu kurz war. Ich danke ihm für seine Schwester, für den Halt und die Kraft die er mir damit zurück gegeben hat. Jonas ist ein kleiner Mensch, von dem ich hätte noch so viel mehr lernen können. Mein kleiner Engel. Mein erstes Kind. Und das wird für immer bleiben. Das kann uns niemand nehmen.
Kommentare on "Jonas, ich vermisse dich!"
  1. Das wusste ich nicht und habe gerade mitgeweint. Es tut mir furchtbar leid und ich weiß gar nicht, was ich sagen soll und möchte dich nur lange und feste drücken! :(

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    1. Ich danke dir einfach für dein liebes Kommentar und nehme die Umarmung sehr gerne an ♥

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  2. <3 Immer geliebt nie vergessen. <3

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  3. Dass der Schmerz nicht vergeht, ist einerseits schlimm, andererseits zeigt es nur, dass du ihn wahnsinnig liebst. Meiner Oma ist es zwei mal so ergangen. Sie schwieg darüber, weiß nicht mal mehr, wo ihre Kinder genau begraben sind und ich wette, dass das furchtbar ist für sie, obwohl sie nicht darüber spricht.
    Ich drück dich fest in Gedanken <3

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    1. Ich glaube auch, dass es noch schlimmer ist, wenn man nichts "mitnehmen" konnte. Wenn man sein Baby vielleicht nicht einmal sehen oder beerdigen konnte. Früher war das ja leider so und teilweise ist das auch heute noch so. Es ist so ein großes Tabu-Thema, was es eigentlich nicht sein sollte.

      Ich danke dir ♥

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  4. Sahra, lass dich unbekannter weise mal drücken. Ich bin bei meiner Suche im Netz nach irgendetwas, das mir hilft meine Gedanken zu sortieren auf deine Seite gestoßen. Es hat mir gefallen wie du schreibst und ich wollte irgendwie heraus lesen, wie es jemandem nach etwas "längerer" Zeit mit Sternenkind geht, denn bei uns ist die Situation umgekehrt. Unsere Große (18Monate) ist bei uns und wir sind seit 4 Monaten Sterneneltern von unseren Zwillingen Jan und Felix. Dein Beitrag spricht mir aus der Seele: für uns ist Sonnenklar, dass wir drei wundervolle Kinder haben, aber wie erklärt man das außenstehenden?
    Liebe Grüße von Karin

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