Fremdbetreuung - richtigfalsch

Dienstag, 16. September 2014
Ein ewiges Streit-und Diskussionthema bei Eltern, Großeltern und auch Nicht-Eltern ist wohl die Fremdbetreuung. Die eine Seite findet, dass schon 1 Jahr zuhause mit dem Kind zu viel ist, die andere Seite findet, dass 3 Jahre zuhause mit dem Kind noch zu wenig sind. 

Ich finde, dass das jede Familie für sich individuell entscheiden sollte.

Momentan scheint das Thema -gerade im Internet- wieder sehr präsent zu sein. Da regen sich die einen über die anderen auf und umgekehrt. Dabei ist es ein so komplexes Thema, dass es darauf keine allgemeingültige Antwort gibt. Jede Familie ist anders und ebenso unterscheiden sich von Familie zu Familie Erziehung, Tagesablauf, Arbeit etc.! Wichtig ist, das jede Familie für sich den besten Weg findet. Und das gilt nicht nur für eine eventuelle Fremdbetreuung. 

Ich finde das niemand das Recht hat jemandem zu sagen, dass er sein Kind in die KiTa bringen muss oder eben nicht. Es gibt keine Beweise die belegen das ein Kind sozialer ist umso eher es in KiTa geht oder ein Kind unsozial ist, weil es nie eine Kindereinrichtung von innen gesehen hat. Wobei ich mir sicher bin, irgendwelche Statistiken von "xyz" zu finden (wenn ich lange genug google), die das eine oder das andere be-oder widerlegen. Ist mir aber schnuppe, was die rausgefunden zu haben glauben. Jeder Mensch ist ein Individuum und entwickelt sich selbst. Natürlich spielen wichtige Faktoren wie der soziale Umgang, ein wohlbehütetes Zuhause und viele andere Dinge keine unwichtige Rolle in der Entwicklung des Kindes. Trotzdem glaube ich, dass auch ein Kind, welches niemals in einer KiTa war, später gut soziale Kontakte knüpfen kann. Ebenso kann es passieren das ein Kind, welches schon seit dem 2. Lebensjahr eine KiTa besucht, sich immer schwer tun wird, was die sozialen Kontakte angeht. 

Ich persönlich bin schon ,bevor ich ein Jahr alt wurde, in die Kindekrippe gekommen. Ebenso meine Schwester. Für meinen Teil kann ich sagen, dass ich mich immer schwer getan habe was die sozialen Kontakte betrifft. Das hat aber zu einem großen Teil auch mit meinem Selbstwertgefühl zu tun. Sagen wir mal es so: Ich habe mir meine Freunde immer sehr gut ausgesucht und bis heute benötige ich noch sehr viel Zeit einem Menschen richtig zu vertrauen, mich zu öffnen, vor anderen zu weinen, Schwächen zuzugeben, mich in die Arme nehmen zu lassen. Das hat bestimmt auch viel damit zu tun, dass ich oft verletzt und enttäuscht wurde. Aber mal ehrlich, wer wurde das nicht? Ich war noch nie der Mensch, der auf Menschen zugeht. Meine Herzfreundin ist da das genaue Gegenteil. Ihre Mama war 14 Jahre zuhause bei den Kindern. Zwei-dreimal die Woche besuchte sie ab dem 4. Lebensjahr mit ihrem Bruder für ein paar Stunden einen Miniclub, wo sie mit Gleichaltrigen zusammen waren. Ansonsten verbrachten sie viel Zeit auf dem Spielplatz mit ihren Eltern. Und die beiden sind unheimlich offen und gut darin auf andere Menschen zuzugehen. Sie verschließen sich nicht. Vielleicht sind das für euch schlechte Beispiele. Ich allerdings fühle mich darin bestätigt, dass es kein richtig oder falsch gibt. Umso älter wir werden, umso mehr haben wir es natürlich selbst in der Hand. Ob wir uns lieben, akzeptieren. Welchen Umgang wir pflegen und wie mit uns umgegangen wird.

Wie der Mann und ich es bei der Püppi gemacht haben, wissen ja die meisten. Sie ist am 4. Juli diesen Jahres 2 Jahre alt geworden. Für mich war von Anfang an klar, dass ich gerne mindestens 2 Jahre zuhause bleiben will. Für mich hat sich nie die Frage gestellt, ob das falsch ist, weil ich nach meinem eigenen Gefühl entscheide und mir herzlich egal ist, was andere richtig oder falsch finden. Ich wäre auch gerne noch ein 3. Jahr mit der Püppi zuhause geblieben. Leider haben verschiedene Faktoren uns das nicht ermöglicht, also haben wir probiert einen KiTa-Platz für unser Mädchen zu bekommen und hatten auch noch Glück einen Platz in unserer Wunscheinrichtung zu bekommen. Ich war mir sicher, dass sie die Eingewöhnung gut meistern würde, weil die Püppi vom Wesen her einfach ein kleiner, offener, selbstständiger Mensch ist. Sie hat nie wirklich gefremdelt oder Berührungsängste gehabt. Fremde Menschen hat sie mit einem süßen Lächeln immer direkt um den Finger gewickelt und mit ihrem frechen, lustigen Wesen hat sie es auch immer in die Herzen der Kinder geschafft. Und obwohl sie 2 Jahre bei mir zuhause war, lief die Eingewöhnung ohne EINE EINZIGE Träne ab. Ich bin sicher, das wäre auch ein Jahr später noch so gewesen. Ich glaube wirklich, das wir das schon vorher bestimmen. Bevor wir unser Kind in eine Einrichtung geben. Wir verhalten wir uns als Eltern, wie agiert und entwickelt sich mein Kind. Wie reagiert es auf andere Menschen?

Deswegen kann ich einfach nicht verstehen, warum einige Menschen glauben es besser zu wissen? Warum lässt man die Eltern nicht nach bestem Wissen und Gewissen handeln? Wieso vertraut man nicht darauf, dass jede Familie für sich und sein Kind selbst entscheiden kann, was das Beste ist? Eine Mama die zuhause bleibt, macht es richtig und eine Mama die arbeiten geht, macht es auch richtig. Wieso wird nicht einfach akzeptiert, das es verschiedene Ansichten gibt und das diese ebenso richtig für die Familie sein können? Viele Familien haben nicht einmal die Wahl. Sie sind wegen des Geldes auf eine Fremdbetreuung angewiesen. Und ein häufig angeführter Punkt ist Ost/West. Während im Osten die Kinder so früh wie möglich fremdbetreut werden ist es im Westen ganz normal, dass die Kinder bis zum ersten Schuljahr zuhause betreut werden und die Mütter sogar noch länger zuhause bleiben. Ich persönlich würde mich wirklich freuen, wenn ich das auch gekonnt hätte, habe aber auch kein Problem damit, das Zukkermädchen abzugeben. Sie liebt es in ihrer KiTa und freut sich jeden Tag darauf. Und darüber bin ich wirklich froh, weil wir keine Wahl haben. Aber ich finde, wenn man es sich aussuchen kann, sollte man es auch tun. So wie man es für richtig hält. 

Denn in der Fremdbetreuungs-Diskussion gibt es kein richtig oder falsch. 



Kommentare on "Fremdbetreuung - richtigfalsch"
  1. Sehe ich genauso und ich finde es unheimlich traurig, dass es unter Müttern ständig zu Diskussionen kommt und es für die meisten scheinbar nur den einen richtigen Weg gibt.
    Liebe Grüße :)

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    1. Dabei gibt es so viele Wege die man gehen kann. Die richtig sind.

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  2. So sehe ich das auch, in vielen Dingen die den Umgang mit Kindern anbelangt.
    Es hört ja nicht bei der Frage, wann man ein Kind am Besten im Kiga anmeldet auf, sondern es geht ja noch weiter. Zeige ich mein Kind im Internet, darf es mit im Elternbett schlafen...usw.
    Letztens meinte ich sehr ironisch, dass Mütter ja den ganzen Vormittag shoppen gehen würden wenn das Kind in der Fremdbetreuung ist. Da wurde gleich zurückgeschossen mit Argumenten von wegen, dass es ja kein Wunder sei das immer mehr Kinder in Heimen abgeschoben würden. Da viel mir dann auch nix weiter zu ein.
    Ich schreibe dazu auch relativ wenig, noch beteilige ich mich an solchen Diskussionen, weil ich Niemandem Angriffsfläche geben will, ganz nach dem Motto "dont feed the troll". Aber irgendwo finden sie ja immer Irgandwas zum rumstänkern :D

    Liebe Grüße

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    1. Eigentlich ist es doch so: Es fängt schon in der Schwangerschaft an. Wie und wo man entbindet, ob man stillt oder die Flasche gibt (Muttermilch ist nicht, gibts ja gar nicht), wo das Kind schläft, Decke oder Schlafsack ... etc. etc. etc.! Diese Liste könnte man wirklich ENDLOS fortsetzen und die Menschen sollten einfach mal begreifen das es NICHT NUR EINEN RICHTIGEN Weg gibt. Man sollte darauf vertrauen, dass die Eltern nur das Beste im Sinn haben und ihr Lebensmodell auf ihre Familie abstimmen, so wie es am Besten funktioniert. Da nun einmal alle Menschen unterschiedlich sind, sind auch die Lebensformen unterschiedlich. Ich frage mich wirklich, ob die Menschen das jemals lernen werden.

      Hahaha... jetzt echt? Ich verstehe den Zusammenhang nicht einmal, was diese spezielle Situation anbelangt.

      Klar. Wie langweilig wäre das Leben denn, wenn man niemanden mehr kritisieren könnte und das funktioniert noch am besten bei Leuten, die man nicht persönlich kennt und denen man dabei nicht ins Gesicht schauen muss ;)

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  3. Du sprichst mir aus der Seele! Aber das unsere Denkweise recht ähnlich ist, haben wir ja schon öfter festgestellt ;)
    Liebe Grüße

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