Mein erster Elternabend

Freitag, 5. September 2014
Gestern war es also soweit. Nach knapp anderthalb Monaten, die unsere Püppi nun in der KiTa ist, hatte ich meinen ersten Elternabend. Ich kenne das ja nur noch von meinen Eltern und Erzählungen. Es war ganz schön aufregend plötzlich selbst Teil des Elternabends zu sein. Ich fühlte mich ganz schön alt ;) Insgesamt schätze ich mich aber als eine der jüngeren Mütter ein. Einen genauen Altersdurchschnitt kann ich aber natürlich nicht bestimmen. Ich war ganz schön aufgeregt. Kurz bevor es losging kramte ich noch einmal durch einige Schubladen, weil ich wusste, dass ich irgendwo noch ein fast unbeschriebenes Büchlein haben musste. Zum Glück wurde ich schnell fündig und machte das Buch kurzerhand zu meinem Elternabend/Kindergarten-Buch. Ich finde das ganz praktisch, das wichtigste aufzuschreiben, gerade was Termine betrifft. Dann kann ich einfach das Buch zur Hand nehmen und habe alles auf einem Blick. Das finde ich auch dann ganz spannend, wenn ich die gruppeninternen Elternabende habe, wo ich mir dann auch notieren kann, wie die Püppi sich in der KiTa entwickelt. 

Obwohl ich schon fast 10 Minuten vor Beginn im Kindergarten ankam, waren schon fast alle vollzählig. Ein Paar kam mit mir gemeinsam an. Die meisten kannten sich schon. So ist das hier wohl - quasi auf dem Dorf ;) Nur ich kannte natürlich wieder niemanden - ausgenommen die Chefin und Erzieherin. Und die, welche niemanden kannten, waren als Paar da. Nun saß ich da alleine und eigentlich wollte sich niemand so recht zu mir gesellen. Kann ich mir natürlich auch eingebildet haben. Manchmal frage ich mich echt, was ich so schreckliches an mir habe oder ob das wirklich immer Einbildung sein kann. Ich glaube das ja nicht. Liegt es daran, dass ich moppelig bin? Und wenn ja, was ist so schlimm daran? Deswegen bin ich doch kein schlechterer oder gar minderwertiger Mensch. Ich bin gepflegt, rieche gut und mache was aus mir. Ich habe ein Wohlfühlkleid und Leggings angezogen. Also nichts, was irgendwie "doof" sein könnte. Aber wie dem auch sei, damit muss ich leben. Hinzu kommt, dass ich wegen meines kleinen Selbstbewusstseins natürlich sehr schüchtern bin, was mir auch gerne mal als Arroganz ausgelegt wird. Jedenfalls hat es keine Vorteile schüchtern und moppelig zu sein. Tjaja.

Angefangen hat der Elternabend dann mit einer Vorstellungsrunde. Dazu sollten wir uns unserem Sitznachbar/paar zuwenden und uns gegenseitig kurz etwas von uns erzählen um anschließend die andere Person/das Paar, der gesamten Gruppe vorzustellen. Ich erwischte natürlich ein Paar. War aber nicht weiter schlimm. Das Mädel war ganz nett, aber das war dennoch fast ausschließlich unsere Kommunikation, denn sie kannten natürlich noch drei andere Mädels bzw. Paare.
Dann stellte sich die Chefin vor (es gibt auch Eltern die schon am Elternabend teilgenommen haben, auch wenn ihre Kinder erst im Oktober oder Januar in die KiTa kommen) und anschließend noch die Erzieherinnen. Danach wurde das "Prinzip" der KiTa erläutert und da prasselten dann so viele Informationen auf mich ein, dass ich vermutlich schon die Hälfte vergessen habe. Die wichtigsten Punkte möchte ich dennoch aufschreiben, weil ich eine Sache zu 100% festhalten kann: Diese Einrichtung war die einzig richtige Entscheidung. Es gab ehrlich gesagt einiges was ich noch nicht wusste, weil ich dem Mann vertraute. Der kennt durch seinen Job die Kindergärten der Umgebung sehr gut. Umso interessanter war es natürlich für mich nochmal alles aus erster Hand zu erfahren und die Einrichtung noch einmal viel viel besser kennen zu lernen. 

Unsere Einrichtung  ist eine zertifizierte gesunde KiTa. Das bedeutet zum Beispiel das sie mit den Kindern bei Wind und Wetter rausgehen. Das kann Starkregen oder minus 20 Grad sein. Außerdem hat jede Altersgruppe einmal in der Woche Sport. Nach Alterklassen gestaffelt. Hinzu kommt ein eigener kleiner Garten in dem Gurken, Tomaten, Pflaumen, Blumen etc. geszüchtet bzw. gepflanzt und geerntet werden. Daraus bereiten sie dann gemeinsam Salate, Suppen, Marmelade, Kompott, Sirup etc. zu. Natürlich wird auch ansonsten auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung geachtet.

Ein ganz wichtiger Punkt sind die offenen Gruppe/das offene Spiel bei Kindern ab 3 Jahren. Das bedeutet nicht, dass es keine Regeln gibt (das denken nämlich viele Eltern), sondern einfach, dass alle Kinder miteinander das spielen können, was sie wollen. Das sie genau das tun können, worauf sie gerade Lust haben oder dem nachgehen können wofür sie sich gerade in dem Lebensabschnitt interessieren. Das bedeutet z.B. das ein Kind auch 3 Wochen hintereinander jeden Tag mit Pinsel und Tusche malen kann, oder töpfern oder bauen. Es gibt verschiedene Bereiche. Kreativ,  Bauen und Konstruieren, Theater und Rollenspiel, Hauswirtschaft, Atelier und Holzwerkstatt, Musizieren und Klangwerkstatt und Bewegungsräume. Das meiste kann im Sommer auch nach draußen verlegt werden. Natürlich wird ein Kind nach 3 Wochen pausenlosen Malens auch mal in eine andere Richtung "geschubst", aber in den meisten Fällen kommt das nicht vor, eben wegen der offenen Gruppen. Die Kinder die z.B. nie töpfern wollten, sehen das dann bei den anderen Kinder, sehen was da entsteht und wollen es dann doch gerne selbst ausprobieren. Zudem gibt es fast ausschließlich offene Schränke und Regale, sodass die Kinder sich ihre Utensilien selbst zusammen suchen und auch alles wieder aufräumen. Sie werden dennoch immer unterstützt wenn sie Hilfe benötigen, bekommen Grenzen aufgezeigt und Regeln gibt es natürlich auch. Es ist ein selbstständiges Spielen und Ausleben des Charakters, der Kreativität. Und das finde ich ganz wunderbar. Ebenso das auch 3,4,5-Jährige zusammen spielen, wenn sie dieselben Interessen teilen und die Gruppen nicht voneinander getrennt spielen. Ich erinnere mich noch daran, wie ein etwa 4-Jähriges Mädchen in der Eingewöhnung auf mich zukam, mir Komplimente zu meinem Kleid und meinen Schuhen machte und ganz begeistert von der Püppi war. Die Erzieherin der Püppi bot dann direkt an, dass das Mädchen am nächsten Tag gerne in die Bienchen-Gruppe kommen dürfe, weil die Püppi dann auch wieder da wäre. Das sind solche Momente, da geht einem das Herz auf. Es wurde auch ein Foto gezeigt wo ebenfalls ein 4-Jähriges Mädchen einen Kinderwagen hin-und herschunkelte, weil das Baby, welches neu in der KiTa zur Eingewöhnung war, nur im Kinderwagen schlief. 

Außerdem ist unsere Einrichtung eine evangelische und integrative Einrichtung. Es gibt 5 Plätze für Integrativkinder mit Behinderung. Ein Mädchen ist auch derzeit bei den Bienchen. Ich finde sie unglaublich süß und finde es ganz toll, dass die Kinder so keine Berührungsängste kennen, weil es für sie normal ist. Das ist ganz ganz wunderbar. Denn diese Oberflächlichkeit in unserer Gesellschaft missfällt mir sehr. Einmal in der Woche kommt auch ein Junge in die Gruppe der 4-Jährigen, welcher eine persönliche Kinderkrankenschwester hat. Er kann nicht wie andere Kinder einfach in die Einrichtung kommen, aber er gehört dazu. Und ich kann mit Worten gar nicht beschreiben wie toll ich das finde. Wirklich! Die Sache mit Gott entscheidet jeder für sich selbst und auch wenn ich nicht "gläubig" bin und keiner von uns getauft wurde, so finde ich es schön, dass die Püppi sich das am Ende selbst aussuchen kann. Durch Jonas fühle ich mich sehr verbunden zu etwas, das ich nicht beschreiben kann. Aber es hat mir immer geholfen, daran zu glauben, das Jonas nicht hier ist sondern woanders. Nicht im Grab unter der Erde, sondern auf seinem Stern. Oder als Windhauch, der mir durch die Haare weht, oder als erstes rotes Herbstblatt, welches mir vor die Füße fällt. Der wärmende Sonnenstrahl der mich trifft. Und wie wäre dieses Denken möglich, ohne zu glauben? Wir wollen die Püppi mit ihrem großen Bruder aufziehen. Und ich werde ihr sicher nicht immer wieder erzählen, dass er tot ist. Nein, ich werde ihr sagen, dass wir zu wenig Zeit mit ihm hatten und das er jetzt woanders ist, wo er über uns wachen kann, vor allem über seine kleine Schwester. Es ist also für mich genauso normal sie in einen evangelischen Kindergarten zu bringen, wie in einen ohne Glaube. 

Einmal in der Woche ist Waldtag für die Größeren. Diesen haben sogar schon eine Brücke aus Ästen und Stämmen gebaut. Außerdem sehen die Kinder einmal im Jahr dabei zu wie die Schafe der Chefin geschoren werden und die Kinder selbst verarbeiten die Wolle weiter. Sie waschen, bürsten und filzen sie. Auch laufen sie knapp 5km bis dorthin und fahren dann mit dem Bus zurück. Sie gehen oft zu der Feuerwehr, weil diese nebenan ist und dürfen auch mal im Feuerwehrauto mitfahren. Am letzten Freitag in jedem Monat ist Spielzeugtag. Da darf jedes Kind das Lieblingsspielzeug von zuhause mitbringen. "Alles was ins Auto passt" meinte die Erzieherin ;) Und die Kinder wissen irgendwann genau, wann dieser Freitag ist. Es gibt eine Kinderküche, welche mit voll funktionsfähigen Geräten ausgestattet ist und auf Kinderhöhe gebaut wurde, sodass sie wirklich immer beim Geschehen dabei sind und alles selbst machen dürfen, wenn sie es wollen - niemand wird gezwungen. Ebenfalls einmal in der Woche wird ein Kreis mit allen Kindern gemacht wo gesungen oder eine biblische Geschichte vorgelesen wird. Ebenfalls einmal die Woche gibt es ein großes Frühstück wo alle Gruppen von 2-6 teilnehmen. Einmal im Jahr gibt es eine Brotwoche. Dafür geben alle Eltern pro Kind einen Euro. Dafür muss 5 Tage lang kein Frühstück mitgegeben werden, die Kinder lernen jeden Tag eine neue Sorte Brot kennen und es wird ein Brotlied gesungen (wir hatten gestern schon das Vergnügen :)). 

Desweiteren habe ich noch einige Dinge über die U3-Gruppe gelernt ;) Zum Beispiel leicht an-und auszuziehende Kleidung. Am besten sind immer Leggings und Shirt. Die Kinder ziehen sich alleine an und aus. wenn Hilfe benötigt wird, ist aber natürlich immer jemand da. Sie gehen aufs Töpfchen oder auf die Toilette, putzen sich selbstständig die Zähne etc.! 

Neu ausgezeichnet und verifiziert ist unsere Einrichtung nun auch von der Handelskammer als Forschungs-Kindergarten "Haus der kleinen Forscher". Es gibt viele Experimentiertage und das Zertifikat musste sich verdient werden. Sie lernen vieles über Wasser, Luft und Schall. 

Eine Frau der Elternvertretung war auch beim Elternabend. Sie ist dort nun mittlerweile 2 Jahre. Natürlich gibt es vereinzelt Personen die noch länger dort sind und deren Kinder bald die KiTa verlassen, weshalb auch neue Elternsprecher/vertreter gesucht werden. Ich überlege wirklich mich zu bewerben, habe allerdings "Angst" nicht gewählt zu werden. Wenn sich schon niemand neben mich setzen will und ich moppelig bin. Wer weiß ob mich da jemand haben will. Keine Ahnung ob ich mit einer "Niederlage" umgehen könnte. Aber was mich reizt, ist das "ganz-nah-dran-sein". Diese betonte aber auch, wie sehr sie sich freut das ihre Kinder genau diese Einrichtung besuchen dürfen, das sie alles noch einmal genau SO machen würde und das die beste KiTa ist, die sie sich für ihre Kinder vorstellen kann. Und obwohl wir erst kurz dabei sind, kann ich mich nur anschließen. 

Der letzte "Punkt" sind die bevorstehenden Veranstaltungen. Da wäre im Oktober der große Elternabend, mit allen Eltern. Dort werden auch die neuen Elternvertreter gewählt. Außerdem ist am 11.11. der St. Martins Umzug, wo die Püppi das erste Mal mit einer Laterne laufen wird. Da fällt mir ein, dass ich noch fragen muss, ob eine Laterne gebastelt wird oder ob ich das übernehme. Lust hätte ich schon ;) Wenn sie in der KiTa eine Laterne basteln, bastel ich mir eben selbst eine, so :D Und was noch sehr interessant war: Die Väter führen zum Fasching immer ein Märchen auf. Ich fand' die Anekdote der Chefin grandios: "Da entstehen viele unvergessliche Fotografien für das Familienalbum - ich habe meinen Mann schon als Dornröschen gesehen". Wir lachten alle! Ich freue mich jedenfalls schon, den Mann in Action zu sehen. 

Bestimmt habe ich die Hälfte vergessen, aber der Eintrag ist eh schon lang genug. Was soll ich abschließend noch sagen, ihr könnt es euch denken. WIR HABEN DEN VERTRAG AB OKTOBER auf NEUN Stunden verlängert. Das bedeutet für uns nicht, das wir das Limit ausreizen. Wir würden die Püppi von 8h-15:30h in die KiTa bringen, aber es wäre auch nicht schlimm, wenn sie schon um 7h kommen oder um 17h gehen würde. Das gibt uns mehr "Freiheit" und die Püppi freut sich sowieso, so sehr wie sie ihre KiTa und ihre Erziehrin liebt. Sie kann dann ab Oktober mit frühstücken und Vesper gibt es auch - das müssen die Eltern nicht einmal mitgeben. Und auch wenn es schwer für mich wird, freue ich mich so sehr für mein Mädchen. Denn sie liebt es in ihrer KiTa. So sehr. Ich freue mich wirklich. Ich weine nicht. Ich freue mich. Weil ich mein Mädchen liebe und das Beste und Schönste für sie will - denn das ist gerade mal gut genug.

Da fällt mir noch ein letzter Punkt ein. Unsere KiTa hat ja keine Schließzeiten außer über Weihnachten/Neujahr. Dafür gibt es seit ein paar Jahren die Regelung das die Eltern ihre Kinder 2 Wochen innerhalb der sächsischen Sommerferien plus eine Woche davor und danach. So umgehen sie Schließzeiten, zu viele Kinder auf einem Haufen mitten in der Eingewöhnung und trotzdem hat jeder Erzieher seinen Urlaub. Ich finde das persönlich eine grandiose Regelung, die sich wirklich viele KiTa's zu Herzen nehmen sollten.

Ihr Lieben. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass diese KITA eine der besten Entscheidungen meines Lebens ist. Denn was ist wichtiger, als die Entwicklung des eigenen Kindes? Die bestmöglichen Voraussetzungen zu garantieren und das eigene "Baby" in guten Händen zu wissen? Ich liebe unsere Kindertagesstätte und ich würde wirklich NICHT tauschen wollen. Ich bin froh und unendlich dankbar, dass wir trotz "Nicht-Glaubens" eine Chance bekommen haben, das unser Mädchen diese großartige KiTa besuchen darf. Ich bin dankbar. Unendlich dankbar!!
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