Phänomen: In der KiTa Sonnenschein, zuhause Stinkstiefel

Donnerstag, 25. September 2014
Als wir am Dienstag unser Zukkermädchen aus der KiTa abholten, hatten wir ein etwas längeres Gespräch mit einer der Erziehrinnen. Das kommt -bisher- noch eher selten vor, weil ich/wir die Püppi ja immer direkt nach dem Mittagsschlaf abholen. Ab Oktober ändert sich das ja endlich. Trotzdem haben wir natürlich jederzeit die Möglichkeit mit den Erzieherinnen zu sprechen, wenn wir eine Frage haben. Ich weiß gar nicht mehr so genau, wie wir auf das Thema gekommen sind - ich glaube der Mann fragte etwas in die Richtung. Daraufhin erzählte sie uns, welch ein Sonnenschein das Zukkermädchen in der KiTa ist und wie sehr sie die Gruppe damit bereichert. Sie hat immer ein Lächeln auf den Lippen, hört beim ersten Wort und quengelt kaum bis gar nicht rum. Außerdem zieht sie sich mittlerweile sehr gut selbstständig an und aus, trägt selbstständig ihren Wäsche/Windelkorb wieder zurück an den Platz und ist überhaupt sehr pflegeleicht. Sie geht zum Mittagsschlaf immer selbstständig in ihr Bett, meistens vor den anderen, weil sie schon so müde ist ;) Sie schaut die Erzieherinnen dann noch einmal an und kuschelt sich ein. Sie ist lustig und lieb und wird in der Gruppe vollständig akzeptiert. Mittlerweile ist es auch jeden Morgen dasselbe: Es kann nicht schnell genug in die KiTa gehen. Sobald wir angekommen sind, werden Mütze, Jacke und Schal ausgezogen, Schuhe gewechselt, der Rucksack genommen und selbstständig die Tür geöffnet. Heute rief sie dann noch einmal laut "Tssssüüss", nachdem sie von einem anderen Kind begrüßt wurde und knallte uns die Tür vor der Nase zu. Bäm. Das einzige ist noch immer die Sache mit dem Sprechen, das stört die Erzieherin aber überhaupt nicht und sie meinte, dass macht die Püppi alles mit ihrem Charme und fröhlichem Wesen wett. Mittlerweile quatscht sie ja alles nach und kommentiert auch alles was man tut. Es wird also. Sie kann sich mitteilen. Und die Erzieherin meinte auch, dass das wird. Die anderen Kinder haben da natürlich einen kleinen Vorsprung, aber eben auch nur, weil sie schon 1 Jahr länger in der KiTa sind. Ich war jedenfalls mächtig stolz, als die Erzieherin sagte, dass sie sich NICHT beschweren kann und unser Zukkermädchen ein absoluter Sonnenschein ist. Wohlgemerkt einer, der Spagat machen kann. Das wurde schon zum zweiten Mal betont ;) 

Und obwohl ich zurecht stolz war, war ich auch verdutzt, obwohl ich genau wusste, dass es so kommen würde. Man hört es immer wieder, von allen Seiten. Und wenn auch manche Dinge sich nicht immer bewahrheiten, können wir uns bei dieser Sache einreihen. Zuhause ist die Püppi nämlich das genaue Gegenteil. Komplett. Wie eine zweite Persönlichkeit. Bekommt sie etwas nicht oder nimmt man das Wort "nein" in den Mund, wird gewütet und gemeckert und geheult. Wenn nichts mehr hilft, wird sich auf den Boden geworfen. Der Monk in ihr ist allgegenwärtig und wenn etwas nicht nach ihren Vorstellungen aufgeräumt oder ordentlich ist, brechen alle Dämme. So ist das z.B. jeden Morgen beim Frühstück. Sie hat einen kleinen Stuhl und setzt sich damit an den Tisch. Einer von uns setzt sich dann immer dazu und genießt den ersten Kaffee des Tages. Wenn der Stuhl aber nicht ganz gerade am Tisch abschließt auf beiden Seiten wird gemeckert. Wenn ihr Becher mit Milch oder Tee nicht in ihrem richtigen Winkel neben dem Teller steht, ist Land unter. Wenn wir im Auto sitzen und Radio hören und ich den Sender wechsele, weil mir das Lied nicht gefällt, meckert es von hinten lauthals. Aber sie meckert nicht nur mich, sondern vor allem die Box an, aus der die Musik kommt. Das weiß sie nämlich. So ein böses Radio auch. Schaltet sich das immer selbst um, um die Kinder zu ärgern. Gibts ja wohl nicht. Das sind nur kleine Ausschnitte, die nahezu täglich passieren - da gibt es aber noch eine Menge mehr. Hinzu kommt erschwerend, dass der kleine Stinkstiefel neue Kleidung nur schwer akzeptiert. Am liebsten würde sie noch immer mit ihren ausgelatschten Adidas-Schuhen auch im Regen rumrennen und nur noch ihre Fleecejacke und ihre Strickmütze tragen. Neue Sachen? NEIN! Und wenn das dann doch sein muss, bricht der große Bock aus, mit allem drum und dran. Auf den Boden schmeißen, sich wehren, um sich schlagen. Jaja, eine Dramaqueen par excellence. Die Erzieherin war doch erst etwas baff, meinte dann aber, dass das bei ihren Kindern genauso ist ;) Es ist also wirklich ein Phänomen. Woran das liegt, kann ich nicht sagen. Vermutlich versucht sie unsere Grenzen auszutesten. Vermutlich geht man in der KiTa so mit der Gruppe, dass man zuhause mal ausbrechen muss oder so. Einkäufe sind momentan auch eine Qual. Sobald sie etwas sieht, dass sie haben möchte, muss es sofort sein. Warten kann sie nicht. Bezahlen muss man nicht. Naja, irgendwann wird sie das sicher auch verstehen und bestimmt ist das alles nur eine Phase. Vermutlich die längste, die ein paar Jahre geht und mal mehr oder weniger "schlimm" auftritt und in der Pubertät zurückkehrt. Oder vielleicht geht sie auch nie, sondern hält nur mal ne Weile die Luft an. Ich weiß es nicht. Aber faszinierend ist das schon irgendwie. Noch mehr ist das Ganze aber anstrengend und auslaugend. Sie schafft es mittlerweile mich nachmittags wirklich so auszulaugen und meine Nerven manchmal an ihre Grenzen zu bringen, wie sie es die 2 Jahre zuvor manchmal nicht in einer Woche schaffte. 

Aber eine Sache muss ich dennoch erwähnen. Natürlich ist nicht alles doof und kräftezehrend. Nein, seit unser Zukkermädchen in die KiTa geht, ist sie auch viel verschmuster und möchte viel kuscheln, viele Küsse verteilen und kümmert sich sehr um uns, auch wenn wir das gerade nicht einmal benötigen. Sie ist immer besorgt. Auch um ihre Püppi. Wenn wir sie aus der KiTa abholen grinst sie so breit, dass mein Herz kleine Luftsprünge macht und wenn ein Baby in der KiTa weint macht sie "psst", was vielleicht erst einmal frech rüberkommt, aber heute Nachmittag blieb sie solange neben dem Baby stehen, bis die Mama kam und es auf den Arm nahm. Erst dann konnte sie die KiTa verlassen. Außerdem isst ihr Abendessen seit ungefähr einer Woche wirklich gut und vor allem isst sie immer alles auf. Sie lässt sich auch nach wie vor toll ins Bett bringen und schläft auch durch, wenn sie nicht gerade krank ist. Grundsätzlich ist sie -denke ich- auch sehr ausgeglichen, eben nur dann nicht, wenn es nicht nach ihrem Kopf geht. Ich bin jedenfalls furchtbar dankbar, dass sie sich in der KiTa so wohlfühlt und das sie eben der Sonnenschein ist, der sie schon immer war. Ich liebe dieses kleine Mädchen so sehr und vermisse sie nach wie vor, wenn sie nicht bei mir ist. Manchmal mehr, manchmal weniger, aber Herzklopfen habe ich immer, wenn ich sie abhole. Immer!




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