Schwächen können auch Stärken sein!

Freitag, 7. November 2014
Ich bin oft zu übervorsichtig. Ich habe viel zu oft den Putzteufel in mir. Heute kann ich mir nicht vorstellen mein Kind jemals alleine in die Schule gehen zu lassen.

Das bin ich. Momentan. Meine Einstellung. Mein Leben. Sobald die Püppi im Bett und eingeschlafen ist, versuche ich Lärm zu vermeiden. Noch vor einiger Zeit hat mich die immer knarrende Diele aufgeregt. Ich hatte irgendwann den Dreh raus und bin nicht mehr auf sie getreten, der Mann dafür umso öfter. Jedes Mal erntete er ein Stöhnen von mir. Das ist vorbei. Meistens. Ebenfalls wollte ich kaum noch die Küche betreten, weil sie direkt neben dem Kinderzimmer liegt. Die Mirkowelle benutzen, wenn die Püppi schläft? Undenkbar. Noch heute möchte ich bei kompletter Stille in der Wohnung die Toilettenspülung nicht betätigen. Die Ausnahme doch zu spülen, könnt ihr euch ja jetzt hier denken. Ich versuche jeden Tag mich zu bessern. Ich weiß nicht mal genau, warum ich da so empfindlich bin. Klar, ich will das die Püppi einen ruhigen Schlaf hat. Ja, ich möchte die Abendstunden alleine oder mit dem Mann genießen. Aber vor allem möchte ich sie wirklich nicht wecken. Wir haben im Nebenhaus Nachbarn, dessen Wohnung genau an unsere anschließt. Deren Wohnzimmer ist quasi neben dem Zimmer der Püppi. Ihr Schlafzimmer befindet sich an unserem. Und jeden Abend brüllen die sich an. Ich glaube, die reden einfach so, aber hallo? Die sind doch nicht alleine!! Mitte 50 werden sie schon sein und ich finde sie ehrlich gesagt auch sehr merkwürdig. Ich kann das nicht genau beschreiben, aber irgendwas stimmt mit denen nicht. Jedenfalls habe ich dann immer mal gegen die Wand gehauen, wenn mir das zu laut war und die Püppi eh wach. Denn, ich möchte sie ja nicht durch meine "Hammerschläge" gegen die Wand, wecken. Ich glaube nämlich ernsthaft, dass die Püppi deswegen oft unruhig schläft und das kotzt mich -gelinde gesagt- an! Gestern war es natürlich wieder laut bei denen und dieses Mal habe ich trotz schlafendem Mädchen gegen die Wand gehauen und ihr glaubt es nicht, aber die haben es echt gewagt zurück zuschlagen. Ich dachte wirklich mich tritt ein Pferd. Haltet mich nicht für verrückt, aber ich habe wirklich überlegt, diese Leute schon wegen Lärmbelästigung anzuzeigen bzw. eben die Polizei zu rufen. Man kann sich doch in einem normalen Ton unterhalten? Vielleicht sollte man auch nicht jeden Abend Alkohol konsumieren.

Ja, da seht ihr es mal. Wie verrückt die Frau ist, die hier den Blog schreibt. Aber mich macht das wahnsinnig und ich kann darüber nicht einfach hinwegsehen. Es geht nicht.

So ist das auch mit meinem Putzfimmel. Hier muss man nicht vom Boden essen können, aber eine grundsätzliche Sauberkeit ist mir sehr wichtig. Oft habe ich dann einen Hang zu Übertreibungen. Wobei ich es lieber so formuliere: Ich habe es eben gerne schön! Und, ich bin ein Monk. Ihr kennt das ja schon vom Mädchen. Tja, das hat sie von mir. So wie ich zu sein würde für euch also bedeuten: Die Schuhe im Flur müssen ordentlich nebeneinander stehen. Am besten auf gleicher Linie. Die Schnürsenkel müssen sich in den Schuhen befinden. Jede Jacke muss wieder zurück an ihren Platz gehangen werden, ebenso wie Schal und Mütze. Es bedeutet weiterhin jedes Wäscheteil mit 2 gleichfarbigen Wäscheklammern aufzuhängen. Die Zahnbürste muss richtig rum im Becher sein. Der Becher von Mann und mir muss links außen und der von der Püppi daneben links zum Wasserhahn stehen. Der Badvorleger muss gerade über der Wanne hängen, wenn er nicht benutzt wird. Wasserhähne sollten generellt keine Wasserflecken aufweisen. Nachdem ich den Abwasch gemacht habe, muss immer die Spüle aus-und trocken gewischt werden - damit es nirgends Wasserflecken gibt. In den Schränken hat alles seinen Platz und da muss es auch wieder hin. Im Kleiderschrank von der Püppi muss alles ordentlich gefaltet sein und gut übereinander liegen. So könnte ich das wohl ewig fortsetzen. Nicht erwähnen brauche ich wohl hierbei, dass das nicht gerade leicht für den Mann ist. Ich versuche auch das abzulegen, aber es gelingt mir nicht. Es ist zu meiner Natur geworden. Früher war ich nicht so. Mein Zimmer war quasi nie aufgeräumt. Aber seitdem ich Mama bin, habe ich mich dahingehend sehr verändert. Ich versuche mich immer wieder -so wie heute, für euch, auch "öffentlich"- zu reflektieren. Einfach um nachvollziehen zu können, wie schwer das für andere sein muss, dem gerecht zu werden, was ich "fordere". Dabei fordere ich nicht alles, das meiste mache ich ja selbst. Aber wenn ich dann doch jeden Tag die Schnürsenkel in die Schuhe stecke oder dergleichen, frage ich mich schon, wieso das dem Mann nicht einfach in Fleisch und Blut übergehen kann. Weniger Arbeit für mich, weniger Gestöhne meinerseits für ihn ;) Ich glaube, das ist für uns beide nicht leicht. Aber ich weiß darum. Ich würde es keine Schwäche nennen, zumal ich glaube, dass jede Schwäche auch eine Stärke sein kann, trotzdem weiß ich, dass es nervenaufreibend ist. Oft. Selbst für mich. Wenn ich es nicht mal selbst schaffe MIR gerecht zu werden.

Ja, das bin auch ich. Und so ist das hier wirklich. Ich habe Ecken und Kanten und ich mache es meinen Mitmenschen oft nicht leicht. Aber ich weiß, wie ich bin und das ist mehr, als manch andere vielleicht über sich selbst wissen. Es ist immer gut, wenn man sich selbst kennt. Wenn man weiß, dass man nicht perfekt ist, wenn man weiß, dass man es nicht jedem recht macht, nicht leicht und das man das aber auch gar nicht kann, außer wenn man sich selbst verbiegen würde. Man kann nur versuchen sich anzugleichen. Aber ändern? Das geht ja eh niemals richtig gut, weil man nicht einfach so etwas ablegen kann, was in einem drin ist. 

So ist das auch mit meiner Angst. Die Angst um mein Mädchen. Das ist vermutlich für mich selbst der schwierigste Punkt in diesem ganzen Ich-Chaos. Jeden Tag versuche ich in mich zu gehen, mich besser kennen zu lernen, meine Schwächen und meine Stärken zu kennen. Warum? Um noch stärker zu werden, um besser mit Menschen umgehen zu können und um mich besser in sie hinein versetzen zu können. Ich verusche natürlich nicht Fehler zu finden, aber der Prozess gehört dazu. Und ich würde es auch nicht Fehler nennen, sondern eben Schwächen oder Charakterzüge die ich nicht so mag. Für mich ist es wirklich noch immer schwer die Püppi loszulassen. Sie immer selbstständiger werden zu lassen. Denn mit jedem Entwicklungsschritt kommt immer eine "Gefahr" hinzu. Das fängt ja schon beim Krabbeln oder Sitzen an. Sie können sich stoßen, fallen. Wenn sie laufen lernen, wird die Gefahr des Fallens noch größer. Wobei ich wirklich zugeben muss, dass die Püppi sofort richtig gut laufen konnte. Erst einmal hat sie Schürfwunden an den Knien gehabt. Sie hat öfter mal blaue Flecken, aber sie weiß eben genau, wie sie sich abfangen muss. Sie weint ja auch fast nie. Ernsthaft. Ziemlich schmerzfrei der kleine Wirbelwind. Sie weiß auch ziemlich gut, was sie kann und was nicht. Sie kann das wirklich gut einschätzen und wenn ihr etwas zu gefährlich erscheint, bittet sie uns auch immer um Hilfe. Deswegen bräuchte ich mir vermutlich noch weniger Sorgen machen. Aber da gibt es jetzt schon Zukunftsfragen die mich quälen. Werde ich sie jemals alleine in die Schule gehen lassen können? Sicher nicht in den ersten Jahren, das macht man ja eh nicht. Aber auch später kann ich mir das nicht vorstellen. Werde ich es jemals schaffen, sie irgendwo übernachten zu lassen, weil ich dort die Rituale nicht kenne und die Püppi so wie ich ein Gewohnheitsmenschlein ist? Wie bringe ich ihr bei, dass sie nicht mit Fremden mitgehen darf? Das nicht jeder Mensch freundlich ist und das Beste im Sinn hat? Wie erkläre ich ihr das mit Jonas und das ich so Angst habe, dass ihr was passiert ohne ihr Angst zu machen? Darf man das überhaupt sagen? Das man Angst hat? Ich will für die Püppi die allerschönste Kindheit, ohne Ängste. Ich will das sie lebt. Einfach lebt. Erlebt. Versteht. Liebt. Aber ich weiß nicht, ob ich es schaffe. Ich weiß es einfach nicht. Die Püppi ist für mich ALLES. Ihr wisst das, ihr habt auch Kinder. Aber ich fühle mich oft schlecht, wie die Glucke die ich nicht sein wollte. Obwohl ich das manchmal schon cool finde, eine Glucke zu sein. Aber ich will es nicht übertreiben. Mit nichts. Ich möchte am liebsten überall ein Mittelding finden. Am liebsten wäre ich wie Lorelay aus Gilmore Girls. Die ist toll! Die ist so cool und schlau und witzig und obwohl sie immer wie die beste Freundin ihrer Tochter wirkt, schafft sie es zeitgleich Mutter zu sein. Mit Prinzipien und Regeln und auch sie ist mal streng oder wütend auf ihre Tochter. Klingt das albern, sich solch ein Vorbild zu nehmen? Weil es ja eh nur eine Fernsehserie ist? Natürlich ist niemand vor Fehlern gefeit. Jeder macht sie, muss zu ihnen stehen und sie gerade biegen. Aber ich wünsche mir einfach, wundervolle Stunden, Tage, Wochen und Jahre mit meinem Mädchen. Das wir viele Interessen teilen, viel erleben, reisen und ich ihr wunderschöne Geburtstag bereite. Es soll immer etwas ganz Besonderes sein. Alles. Weil sie mir so viel gibt und ich ihr alles zurückgeben will. Tausendfach. Ohne sie zu verwöhnen. Versteht sich von selbst. Ich sagte ja schon: Mittelding

Dieses Mädchen, welches mich momentan immer mitten in den Wahnsinn treibt -innerhalb von 10 Minuten- ist der kleinste Mensch, mit dem größten Herzen, den ich jemals kennen gelernt habe. Sie verzeiht, vergisst und liebt dich - wie du bist. Mich, den Mann, die Erzieherinnen und ihre kleinen Freunde. Vor allem F. - da habe ich mich schon angemeldet - zwecks Schwiegersohn und so ;) Bedingungslos. Ohne das man ihr etwas geben muss, außer Liebe und Glück. Zufriedenheit und Sicherheit. Familie. Wie sie sein sollte.


// P.S. Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Eintrag veröffentliche, weil er viel offenbart und mich von einer anderen Seite zeigt. Aber dieser Blog war noch nie diese rosa Zuckerwatte-Wolke mit Glitzer. Ich war immer ehrlich zu euch. Und das hier, das gehört zu mir dazu. Das bin ich. Auch! Nicht nur.

Und jetzt wünsche ich euch noch einen wundervollen Abend und ein ganz zauberhaftes Wochenende
Kommentare on "Schwächen können auch Stärken sein!"
  1. Och ich kann Deine Ängste und Fragen so gut nachvollziehen. Ich freue mich über Bambina´s Entwicklung und über jeden neuen Schritt den sie in ihrem Leben geht. Doch die Zeit wenn sie nicht mehr bei mir ist, macht mir wirklcih Angst. Dort draußen lauern so viele Gefahren und ich möchte, dass sie diese sieht und achtet, aber nicht voll Angst durchs Leben geht.

    Liebe Grüße
    Lena

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  2. Ich bin auch die totale Schisserin. Ich male mir aber auch immer die schlimmsten Dinge aus. Das ist so erschreckend. Der Käfer ist eben mein Heiligtum, das Allerwichtigste. Ich werde ja schon unruhig, wenn ich darüber nachdenke, dass irgendwer ihr irgendwann das Herz brechen wird. :'(. Ich würde sie zu gerne vor allem beschützen können. Als Erzieherin denke/dachte ich da anders. Hab den Kindern total viel zugetraut... ein bisschen mehr Coolness würde ich mir als Mama auch wieder wünschen.

    Ich verfluche noch heute jede knarrende Diele, jedes laute Husten, Wasserhahngeräusche, knackende Kniescheiben.. :D Aber mittlerweile hört mein Mädchen nicht mehr alles und schläft auch weiter, wenn im Nachbarhaus ne Stecknadel fällt. :D Trotzdem reagier ich allergisch drauf. Und solche lauten Nachbarn kannste echt verfluchen... Das ist ja total blöd! Geht für mich gar nicht.

    Als Mama entwickelt man echt viele Macken. Ist schon verrückt! Auf einmal kommen komplett neue Seiten zum Vorschein. Kenne ich zu gut! Schön, so etwas ehrliches zu lesen. Das macht deinen Blog mitunter auch aus. ♡ Man fühlt sich nicht so alleine mit seinem verrückten Kopf!

    Ganz liebe Grüße
    Tanja

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  3. Ich habe zwar noch keine Kinder, werde aber auf jeden Fall so ähnlich wie du. Ich bin schon so ähnlich bei meinem Hund, der ja sowas wie mein erstes Baby ist. ZB habe ich schon gesagt, dass ich Angst vor der Zeit nach der Geburt habe, wo ich im Krankenhaus bin. Mein Wauwi ist nie ohne mich und sie wird das natürlich nicht verstehen. Der Gedanke daran tut mir jetzt schon so weh. Ich will dieses Wesen nicht enttäuschen, gar verletzen. Ich könnte jetzt echt in Tränen ausbrechen deswegen, obwohl es noch lange nicht so weit ist (ich bin nicht mal schwanger). Also das ist auch alles ziemlich ausgeprägt bei mir. Und mein Freund ist dafür das genaue Gegenteil. Das gleicht sich also alles wieder aus.

    Sehr sympathisch, dein Eintrag!

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