Wenn Weihnachten auch Trauer bedeutet

Sonntag, 21. Dezember 2014
Die Vorweihnachtszeit ist für mich die schönste Zeit des Jahres. Ich liebe es selbstgemachten Glühwein zu trinken, über den Weihnachtsmarkt zu schlendern und dort die beste Feuerzangenbowle zu trinken. Ich liebe den Duft von der wunderschönen Tanne, die schon eine Weile geschmückt in unserem Wohnzimmer steht. Es macht Spaß Geschenke für die Liebsten zu besorgen und zu wissen, wie sehr sie sich darüber freuen werden. Vorfreude ist die schönste Freude.

Leider wird mich an jedem Weihnachten, welches ich mit meiner kleinen Familie erleben darf , auch Trauer begleiten. Und Sehnsucht. Nach unserem Engel. Jedes Jahr frage ich mich wieder, wie wir es wohl mit Jonas erlebt hätten. Wie aufgeregt er wäre, bevor er die Geschenke auspacken darf und wie er seiner kleinen Schwester erklären würde, was Weihnachten eigentlich ist. Mit seinen Worten. Ich frage mich oft, ob er sich genauso wohl im Kindergarten gefühlt hätte und wie es gewesen wäre zwei Wirbelwinde abzuholen. Vier strahlende Augen. Und immer steht die Frage im Raum: Würde es Leni geben, wenn Jonas nicht gegangen wäre? Eine Frage die sich oft in mein Herz bohrt und auf die ich keine Antwort finde. Ich wünsche mir Jonas jeden Tag herbei und frage mich oft, ob ich die Püppi dann überhaupt jemals kennen gelernt hätte. Dieses wundervolle, engelsgleiche Wesen auf zwei Beinen mit einem Herzen aus purem Gold und dem zauberhaftesten Lachen, welches ich jemals gehört habe. Ein Leben ohne sie ist so unvorstellbar, wie der Gedanke daran, dass ich Jonas verloren habe. Dass, das alles wirklich uns passiert ist. Jonas ist in unserem Leben irgendwie einen Schritt nach hinten getreten, wie ein kleiner Schatten der uns folgt, weil so viel anderes unser Leben auf den Kopf stellt - immer und immer wieder. Wir besuchen sein Grab viel seltener und wir werden teilweise sehr vergesslich, machen alles auf den letzten Drücker. Sich das immer wieder einzugestehen tut wahnsinnig weh. Umso mehr freue ich mich auf unser weihnachtliches Ritual. Bevor wir am heiligen Abend zu den Eltern vom Männchen fahren, besuchen wir ihm an seinen Grab. Dieser Moment gehört nur uns Vieren allein. Denn Jonas ist ein großer Teil unseres Lebens. Er hat uns geprägt, verändert und hat uns so viel gelehrt. Wie einzigartig und lebenswert dieses Leben ist. Das wir auf uns aufpassen müssen und das wir dankbar sein sollten, für alles Gute was in unserem Leben passiert. 

Viele Menschen verstehen nicht, wie ein kleiner Mensch, der schon im Bauch verstarb eine so große Rolle im Leben der Eltern einnehmen kann. Aber vielleicht wissen sie es auch einfach nicht besser. Sie sprechen dich nie auf deinen kleinen Engel an und sie verstehen nicht, dass es immer noch weh tut, wenn er bestimmte Dinge nicht erleben kann. Wenn man selbst vieles nie kennen gelernt hat. Zum Beispiel, wie seine Augen aussahen oder wie sein Lachen geklungen hätte. Ich werde niemals sehen, wie er seine ersten Schritte geht oder das erste Mal "Mama" sagt. Das alles blieb mir verwehrt. Und dann kam da die Püppi, bei der ich alles erleben darf. Ich darf sie begleiten und ich weiß das unendlich zu schätzen und trotzdem frage ich mich oft, wie das wohl bei Jonas gewesen wäre. Aber andere Menschen fragen sich das nicht, vor allem dann nicht, wenn man noch ein kerngesundes Kind geboren hat.

Jonas wird uns immer fehlen. Am Tisch ist immer ein Platz zu viel frei. Im Auto auch. Und vor allem habe ich immer eine Hand frei. Ich wäre so dankbar, wenn ich ihn nur einmal an die Hand nehmen dürfte und mit meinen beiden Kindern durch die schönsten Wälder spazieren könnte. Was würde ich dafür geben vier strahlende Kinderaugen an Weihnachten zu sehen. Die Augen meiner Kinder. Doch was mir am allermeisten fehlt ist ihn zu spüren, ganz nah bei mir und dabei seinen Herzschlag zu vernehmen.



Kommentare on "Wenn Weihnachten auch Trauer bedeutet"
  1. bei deinen lieben worten muß ich glatt eine träne verdrücken. du hast das so schön geschrieben! ich würde jedem wünschen, das seine in die richtung gehenden wünsche an weihnachten in erfüllung gehen.
    ich drück dich ganz fest und ich finde man sollte seine verlorenen engel nie vergessen uns sie immer im herzen tragen!

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