Albtraum.

Dienstag, 13. Januar 2015
In der Nacht von gestern zu heute hatte ich einen Albtraum. Ich wachte schweißgebadet und heulend auf. Ich drückte meinen Kopf ins Kissen um die Bilder aus dem Kopf zu bekommen. Ich berührte meinen Bauch um irgendwie sicher zu gehen, dass dies wirklich nur ein Traum wahr. Irgendwann schlief ich wieder ein. Und als ich am Morgen aufwachte und der Tag so seinen Lauf nahm, vergaß ich den Traum. Wobei, ich glaube viel mehr, dass ich ihn verdrängt habe um diese Bilder nicht nochmal abzurufen. Doch zwei Stunden später, als ich etwas völlig Banales tat, kamen sie plötzlich wieder. Die Erinnerungen an den Albtraum und ich fragte mich, was dieser zu bedeuten hat. Er macht mir Angst. Wahnsinnige Angst.

Ich weiß gar nicht, ob ich schwarz weiß oder bunt träume, aber ich glaube, ich träume bunt. Schon immer. Überhaupt bin ich schon immer ein Mensch gewesen, der viel träumt. Nicht selten wurde ich von Albträumen geplagt. Irgendwann ließ das nach, aber ich weiß nicht mehr, ob es dafür einen bestimmten Auslöser gab. Aber ich habe irgendwann einmal kleine Püppchen geschenkt bekommen, die man in einem kleinen Säckchen unter sein Kopfkissen legen kann. Natürlich muss man daran glauben und damals glaubte ich an alles, wenn es nur meine schlechten Träume verschwinden lassen würde. So war es auch. Was für mich schon immer faszinierend war: Entweder träume ich gar nicht oder ich träume schöne und schlimme Träume. Es gibt nicht nur schöne oder nur schlimme Träume. 

Wovon ich fest überzeugt bin ist: Das ich träume, weil ich tagsüber nicht genügend verarbeiten kann. Nicht mal annähernd. Vieles bleibt unsausgesprochen und manche Dinge stauen sich auf. Sie sammeln sich in meinem Kopf und schaffen es bis in meine Träume. Auch faszinierend finde ich, dass ich Dinge träume, die sich mir gar nicht erklären. Bei denen ich nicht einmal sagen kann, woher diese Träume kommen oder wie ich sie deuten kann. Zum Beispiel träume ich von Dingen, die ich gar nicht wissen kann und die ein ausgeprägtes Gedächtnis verlangen. Intelligente Träume irgendwie. Dinge, die ich eigentlich nicht weiß, die aber google nachdem ich sie geträumt habe und die sich als wahr herausstellen. Ein bisschen gruselig ist das schon auch, oder nicht? Ich meine, wo kommt das her? Bin ich wirklich dazu fähig, Dinge, die ich irgendwann vielleicht irgendwo mal kurz aufgeschnappt habe, wieder aufzurufen - in meinen Träumen? Dinge, über die ich tagsüber nicht einmal nachgedacht habe? Über die ich niemals nachdenke? 

Letzte Nacht träumte ich, dass ich wieder schwanger wäre. Mit einem Mädchen. Es war eine tolle Schwangerschaft und ich war sehr glücklich. Auch die Püppi freute sich wahnsinnig auf ihre Schwester. Und dann ging ich zum Arzt. Wie damals bei Jonas. Ich spürte keine Kindsbewegungen. Wie damals bei Jonas. Und mir wurde gesagt, dass das Herzchen nicht mehr schlägt. Wie damals bei Jonas. Ich zerbrach. Wollte mein Mädchen nicht hergeben. Ich wehrte alles ab. Starb innerlich. Und dann erwachte ich. Das ist alles woran ich mich erinnere. Aber es reicht. Es macht mir Angst. So unendliche Angst und ich weiß nicht, wie ich diesen Traum deuten soll. Was will mir dieser Traum sagen?

Es ist ja nicht so, als würde ich kein Kind mehr wollen, aber derzeit ist es einfach nicht möglich. Ich möchte sehr gerne noch ein Geschwisterchen für die Püppi. Es ist ein Herzenswunsch. Und natürlich ist ein Geschwisterkind immer mal wieder Thema, aber eben nicht wirklich greifbar. Also frage ich mich, was soll das? Will der Traum mir sagen, dass es keine gute Idee ist? Das ich das Baby sowieso verlieren würde? Und wie soll ich jetzt noch, irgendwann noch einmal, eine erneute Schwangerschaft genießen. Versteht mich nicht falsch - ich bin nicht abergläubisch oder interessiere mich umfassend mit Traumdeutung, noch schenkte ich Träumen bisher viel Bedeutung, aber eigentlich nur, weil ich es mir immer irgendwie erklären konnte. Ich träume eben Dinge, die mich nicht loslassen, die ich nicht schaffe zu verarbeiten. Als wir z.B. SAW gesehen haben (der Teil indem die Ärztin Jigsaw die Schädeldecke aufsägt), habe ich in derselben Nacht geträumt, dass mir jemand die Schädeldecke aufsägt. Das war -gelinde gesagt- verstörend, aber ich wusste eben ganz genau, woher das kam. Und natürlich denke ich täglich an meinen kleinen Engel, aber ich habe ewig nicht mehr etwas in der Art geträumt. Ich erinnere mich, dass ich kurz nach dem ich ihn geboren und wir ihn beerdigt hatten, davon träumte, aber dann nie wieder. Und vielleicht macht es mir genau deswegen Angst. Weil ich es nicht einordnen kann und meine Gedanken sowieso sehr wirr sind im Moment. Überhaupt weiß ich nicht wo mir der Kopf steht.

Aber ich habe Angst. Ich weiß, das sagte ich schon, aber sie ist allgegenwärtig. Und ich habe Angst, das mich diese Angst, nie wieder loslässt.


Kommentare on "Albtraum."
  1. Liebe Sahra,
    hm, das ist wirklich erschreckend. Leider habe ich überhaupt keine Ahnung von Traumdeutung und daher kann ich Dir da keinen Tipp geben. Ich hoffe aber sehr, dass Du Deine Angst ganz schnell verarbeiten kannst!
    Liebe Grüße
    Michaela

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  2. Ein furchtbarer Traum.
    Ich war früher immer der Meinung, dass ich Dinge im Traum vorhersehe. Habe ich von Trennungen zweier Menschen geträumt, haben sie sich kurze Zeit später wirklich getrennt, auch den Tod meiner Oma habe ich vorher im Traum verarbeitet.

    Aber und zwar ein großes ABER: Man verarbeitet so viele Eindrücke, Gefühle und Ängste in seinen Träumen. Dass meine Oma bald sterben würde, wusste ich ja und die Beziehungsbrüche in meinem Umkreis waren ja auch mehr oder weniger vorhersehbar.
    Die Angst, ein weiteres Kind zu verlieren sitzt ja tief in dir, vor allem in deinem Unterbewusstsein. Im Alltag kannst du das gut verdrängen und vergessen, dein Mädchen schenkt dir so viel Freude und Glück. Im Schlaf kommen diese Dinge dann einfach hoch.
    Du hattest einfach das Pech, all diese Gefühle wieder im Traum aufzurollen, was damals gesagt wurde usw. nur in etwas anderer Form.

    Diese doofe Angst wird dich mit Sicherheit auch bei deiner nächsten Schwangerschaft begleiten, aber auch viele tolle Erinnerungen an die Schwangerschaft von deinem Mädchen.

    Ich möchte auch irgendwann ein Geschwisterchen für Lena, aber noch fühle ich mich nicht bereit dazu, weil ich Angst habe, dass wieder alles so läuft wie damals, dass mein zweites Kind vielleicht schlimmere Diagnosen behält.

    Dann gibt es aber Momente in denen ich denke: Was spricht dagegen, dass alles gut geht?

    Es ist schlimm, wenn eine solche Angst verhindert, so tolle Dinge zu erleben, Momente zu genießen und oft auch die Freude verdrängt.

    Lass den Traum nicht zu sehr in dich hinein, du hast nur nochmal verarbeitet im Traum und dein Mädchen wird irgendwann ein gesundes fideles Geschwisterchen bekommen, wenn du bereit dafür bist <3

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  3. Meine liebe :) du kennst mich glaube ich nur als buntkunterbunt von instagram. Aber ich schreibe dir jetzt mal via hier! Deine Worte haben mich berührt und ich möchte dir sagen, dass ich glaube, dass egal wann du wieder schwanger wirst es so oder so immer eine schreckliche Achterbahnfahrt wird. Ich denke, dass weisst du selbst! Ich glaube du träumst diese Sachen weil du dich unterbewusst schon mehr mit dem Thema Geschwisterchen auseinandersetzt wie es dir evtl bewusst ist. Vielleicht solltet ihr es wagen. Vielleicht war das auch die Botschaft. Und dass du einen schlechten Ausgang geträumt hast - du hast angst. Angst vor einer neuen schwangerschaft und angst vor erneutem Verlust. Das ist, denke ich, ein ganz normaler Prozess. Vielleicht gehst du in den nächsten Wochen und Monaten ganz intensiv in dich hinein und versuchst heraus zufinden was du wirklich möchtest. Einfach wird es nie sein - das ist das leben! Aber du hast bereits so vieles gemeister!!!! Ich umarme dich :-*

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