Von Spielplätzen und Eltern

Montag, 4. Mai 2015
Für mich ist das ja mittlerweile wirklich ein leidiges Thema. Spielplätze und Eltern. Allerding lese ich immer wieder so viele Dinge von anderen Müttern darüber, dass ich gerne noch einmal meinen Senf dazu abgeben möchte. Ja so bin ich. Nicht immer - das muss ich dazu sagen. Aber doch sehr häufig habe ich eine Meinung zu Dingen. Meistens unterscheidet sich diese von den Meinungen anderer, was mir nicht immer Sympathiepunkte einbringt. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich weiß, wann ich wirklich meinen Mund zu halten habe um eine Situation nicht zum Eskalieren zu bringen (im schlimmsten Fall). Oder wenn ich denke, dass ich eh niemanden von meiner Meinung überzeugen kann, weil jemand so festgefahren ist, dass er nicht einen anderen Blickwinkel zulässt. Dann kann ich es ja auch sein lassen. Aber manchmal, da ist es eben so, dass ich etwas aufschnappe oder zufällig auf ein Thema stoße und darunter die Kommentare lese und dann nicht meinen Mund halten kann. Weil es, in 99% der Fälle, eine undifferenzierte Meinung ist. Da werden keine Unterschiede gemacht, da ist nur richtig was "xy" schreibt. Und weil es in 99% der Fälle eben keine einzige, richtige Meinung gibt muss ich jetzt über das Thema Spielplatz und Eltern schreiben. 

Das Wichtigste: Was hat diese "xy" geschrieben? Es war etwas in dieser Art: "Wisst ihr was mich an Spielplätzen am meisten nervt? Die anderen Eltern, wenn mein Kind mit deren Buddelförmchen spielen will. Es sind nicht die Kinder, die komisch schauen, sondern die Eltern. Mein Kind nimmt sich einfach das Sandspielzeug der anderen Kinder und spielt damit. Dafür werde ich oft böse angeschaut. Deren Kinder lernen ja gar nicht zu teilen."


Und das ist etwas, das bringt mich wirklich auf die Palme. Eine so festgefahrene Meinung. Es gab tatsächlich einige Kommentare, die meiner Meinung ähnelten, aber die Dame ließ sich nicht von ihrer Einstellung abbringen und wird das wohl in nächster Zeit genauso handhaben. Jetzt wird es sicher den ein oder anderen geben, der ihr zustimmt. Und die gab es in den Kommentaren auch überwiegend. Es wurde auf die Eltern geschimpft, die es eben anders handhaben. Und da will ich mich nun einklinken.

Bei uns gilt grundsätzlich: Es wird gefragt, wenn die Püppi anwesend ist. Kann das Kind noch nicht fragen, so erwarte ich von einem Elternteil, dass es die Püppi oder eben mich fragt. Wenn das Zukkermädchen gerade lieber rutschen oder schaukeln will, lasse ich das Buddelzeug auch im Sandkasten liegen, sodass andere Kinder damit spielen können, solange sich die Püppi nicht dafür interessiert. Allerdings habe ich auch immer ein Auge auf die Sachen. Denn ich möchte bitte nicht das etwas abhanden kommt. 

Es gab ja tatsächlich einen Kommentar in dem eine Mutter schrieb, dass es ja nicht so schlimm wäre, wenn so ein 1€-Förmchen abhanden kommt. Also versteht mich jetzt nicht falsch, aber ein Euro ist doch auch Geld oder? Und mal ganz abgesehen davon: Vielleicht hängt das Kind genau an diesem Teil. Man weiß das ja immer nicht so genau. Und es gehört sich auch nicht, einfach etwas zu mopsen. Ich gehe doch auch nicht hin und mopse jemanden ungefragt die Schuhe oder leihe sie mir aus ohne zu fragen. Wisst ihr was ich meine? Das ist doch auch ein Lernprozess, den jedes Kind irgendwann draufhaben sollte. Man fragt, wenn man etwas von einem anderen Kind haben möchte bzw. ob man mitspielen darf. Ich gehe mal stark davon aus, dass die wenigsten Kinder da nein sagen. 


Weiterhin handhaben wir das so: Sobald ein Kind fragt, darf es mitspielen bzw. ein Förmchen bekommen. Das hat die Püppi mittlerweile auch akzeptiert und teilt sehr gerne, wenn ein Kind fragt. In Ausnahmefällen meckert sie auch rum, dass es alles ihres wäre (stimmt ja auch), aber dann sage ich ihr, dass das Kind gefragt hat und das sie ja eh gerade mit einem anderen Förmchen spielt und dann bietet sie von selbst ein  Förmchen an, welches sie gerade entbehren kann. Was die Püppi gar nicht mag: Wenn ein Kind ihr wirklich etwas wegnimmt und damit abhaut. Habe ich auch schon erlebt. Da bin ich dann hinterher oder haben gesagt, dass das Kind bitte im Sandkasten mit unserem Förmchen bleiben soll und trotzdem ist das Kind abgehauen. In den meisten Fällen sagen die Eltern nichts. Und das gehört sich -in meinen Augen- nicht. Da bin ich dann auch strikt und das Kind darf nicht mehr mitspielen. Basta! Auch Konsequenzen muss man lernen. Ich verfahre übrigens mit der Püppi genauso, wenn es um das Sandspielzeug von anderen Kindern geht. Ist niemand da, den ich fragen kann, lasse ich sie spielen. Ist jemand da, den sie fragen kann, tut sie das auch. In den allermeisten Fällen, darf sie dann auch ein Förmchen haben. Ich sage ja, das funktioniert. Wenn alle Stricke reißen ist mein letztes Argument: Im Kindergarten teilt ihr doch auch alles, das Kind will dir nichts wegnehmen, sondern nur mitspielen. Und spätestens dann lenkt auch das Zukkermädchen ein. 

Außerdem finde ich, muss man auch bei den einzelnen Kindern differenzieren. Das klingt jetzt erstmal böse, ABER: Wenn ein Kind zum Beispiel sehr grob mit dem Sandspielzeug umgeht oder mit Sand schmeißt, oder Spielzeug nicht zurück gibt, wenn die Püppi es gerne wieder haben möchte, werde ich böse. Und dann sage ich auch etwas. Leider muss ICH das in den meisten Fällen übernehmen, weil die Eltern nicht auffindbar sind oder eben nichts sagen. Das ist übrigens etwas, dass ich nicht nachvollziehen kann. Immerhin wurde mir gegenüber noch niemand pampig, strafende Blicke bekam ich aber schon. Aber für mich gibt es da klare Regeln und auch wenn das übertrieben klingt oder jemanden so erscheint, dann tut es mir Leid. Ich bin wirklich eine liebe Mutti, auch auf dem Spielplatz, aber ich finde, so wie alle wollen, dass das Teilen gelernt sein will so muss auch das Fragen gelernt sein. Das Akzeptieren und das aufeinander Rücksicht nehmen. Was vielleicht noch nicht ganz rüberkam: Ich bestehe nicht immer darauf, dass die Püppi ein Spielzeug zurück bekommt. Mittlerweile kann ich wirklich gut einschätzen, wann die Püppi etwas will, weil ich es gerade dem anderen Kind erlaubt habe oder wann sie es wirklich "benötigt". Im ersten Fall, erkläre ich der Püppi, dass das jeweile Kind gerade damit spielt und dass sie es bestimmt wieder haben kann, wenn sie dafür ein anderes Spielzeug anbietet. Klappt in den meisten Fällen. Oder die Kinder bieten etwas von ihrem Sandspielzeug an (sofern sie welches dabei haben). Mit mir kann man es also schon eigentlich gut aushalten auf dem Spielplatz - denke ich.


Da habe ich noch eine kleine Anekdote von einem unserer letzten Spielplatzbesuche. Wir haben in einem Park einen Abenteuerspielplatz. Dort befindet sich eine große schwarze Rutsche aus einer Art Gummi. Das ist eigentlich total blöd im Sommer, weil die dann so sehr heiß wird. Aber darum geht es ja jetzt nicht. Jedenfalls ist die Rutsche ein echtes Highlight für alle Kinder. Drei Jungs im Alter von schätzungsweise 10-12, die es vielleicht auch nicht besser wussten, kamen mit Wasserpistolen und schossen wild in der Gegend rum. Das fand' ich schon nicht gut, weil die echt nicht darauf geachtet haben, ob sie einen anderen Menschen treffen. Doch als sie dann meinten, sie müssten diese Gummirutsche unter Wasser setzen, ging ich mal hin und sprach ein Machtwort. Also schon noch nett, aber auch bestimmt. Sie sollen das bitte nicht machen, weil da andere Kinder noch rutschen wollen. Der eine Junge nahm sich das dann auch wirklich zu Herzen und hielt die anderen beiden im Zaum. Kein Wassertropfen berührte mehr die Rutsche. Ich frage mich auch wirklich, warum niemand anderes was gesagt hat. Deren Kinder wollten alle rutschen und ich glaube nicht, dass die Eltern nasse Hosen wollten. Da ist das Gemecker dann auch wieder groß. Man kennt das ja.

Dazu hätte ich ja jetzt noch eine Anekdote. Und eine geht auch noch, oder? ;) Die Püppi war, schätzungsweise gerade ein Jahr alt, als sie zum ersten Mal diese Gummirutsche benutzte. Diese war ja sehr lange, wegen der Flutschäden nicht nutzbar. Und an diesem Tag trafen wir auf ein Mädchen, welches zuerst noch leicht bekleidet und am Ende mit dem nackten Po herunter rutschte. Damals müssen es so um die 30 Grad gewesen sein und das Mädchen musste auf Toilette. Von der Mutter weit und breit keine Spur. Ein Mann mit Kind nahm sich ihr dann damals an und fand' die Mutter auch, die gemütlich mit einer Freundin auf einer Decke fernab saß. Also manchmal fragt man sich doch wirklich, oder?

Ich bin ja jetzt ziemlich gespannt was ihr so dazu sagt. Teilt ihr meine Meinung oder habt ihr eine ganz andere Ansicht? Dann schreibt mir das doch gerne. Ich bin nämlich tatsächlich in der Lage, dass auch aus anderen Blickwinkeln zu betrachten, auch wenn ich zugeben muss, dass ich es ganz gut finde, wie ich das so handhabe. Aber Denkanstöße schaden nie!

Habt noch einen zauberhaften Abend 




1 Kommentar on "Von Spielplätzen und Eltern"
  1. Liebe Sahra,
    wie so oft - oder eigentlich immer, schreibst Du mir aus der Seele. Wir handhaben mit den Sandsachen und dem Teilen alles ganz genauso und Marie kommt damit auch soweit klar. Wenn wir nichts mitgenommen haben und Marie möchte bei anderen Kindern mitspielen, bitte ich sie, zu fragen, wenn sie es sich nicht traut, frage ich auch für sie und bisher hat es immer gut geklappt.
    Ich habe es leider auch schon öfter festgestellt, dass manche Eltern sich gar nicht um die Kindern kümmern und wenn die Kinder dann Unsinn machen, der andere Kinder beeinträchtigt, nehme ich mir die auch freundlich zur Brust. Meistens kommen die Eltern dann und entschuldigen sich für ihre Kinder.

    Neulich war es ganz süß, da hatten wir keine Sachen mit und es war ein ca. 2 Jahre älterer Junge auf dem Spielplatz. Er hat mit Straßenkreide gemalt und Marie ist ganz neidisch daneben stehen geblieben. Der Junge hat das gemerkt und ihr sofort ein Stück angeboten und mit ihr zusammen gemalt und erzählt und seine Mama und seinen kleinen Bruder vorgestellt. Herrlich.

    Liebe Grüße
    Michaela

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