Mein kleines Mädchen

Mittwoch, 5. August 2015
Ist gar nicht mehr so klein. Ganz im Gegenteil. Mittlerweile ist sie mein großes Mädchen. Vor einem Monat feierten wir ihren dritten Geburtstag. Drei Wochen später, am siebten August, wechselte sie in die Ü3 Gruppe und gestern waren wir bei der U7a. Es gibt also eine Menge zu erzählen. Ich hoffe so sehr, dass ich noch alles zusammen bekomme. Einfach, weil ich es aufgeschrieben haben möchte, um es der Püppi später einmal erzählen zu können.

Das Zukkermädchen hatte einen ganz tollen Geburtstag, auch wenn wir ihn an einem der heißesten Juli-Tage feierten. Wir hatten viel Eis, Melone, Getränke und auch Eis-Muffins. Aber darüber möchte ich sehr gerne noch seperat bloggen. Auf jeden Fall hat man aber gemerkt, dass die Püppi sehr viel besser versteht was hier vor sich geht und erzählt heute noch bei jedem Spiel, welches sie bekommen hat, dass sie eben dieses zum Geburtstag bekommen hat - als Geschenk. 

Wir hatten ja schon vor ein paar Monaten ein Entwicklungsgespräch in der KiTa, welches wirklich toll war. Es bestätigte sich für uns all das, was wir auch bei dem Zukkermädchen beobachten. Sie ist motorisch sehr weit. Musik, Tanz und Sport sind ihre großen Leidenschaften. Sie ist immer fröhlich, ein richtiger Sonnenschein. Ebenso ist sie ein großer Wirbelwind, der nicht still sitzen kann und wenn man etwas Negatives finden wollen würde, dann wäre es wohl das. Sie mag sich nicht mit vielen Kindern zusammensetzen und von der Erzieherin ein Buch vorgelesen bekommen, sind es hingegen nur zwei, dann ginge das schon besser. Sie ist eben immer auf Trapp. Zuhause reicht ihr still sitzen auch gerade einmal für eine Sandmann-Folge. Ausnahmen sind natürlich Frühstück, Mittag-und Abendessen. Dort bleibt sie sitzen und macht auch keinen Quatsch. Aber dieser kleine Wirbelwind weiß sich dafür auch immer zu beschäftigen. Die Erziehrin meinte so schön: Ihr wird niemals langweilig werden, sie findet immer etwas, das sie tun kann. Und dabei ist es fast egal was. Ihre Interessen sind so vielseitig, dass auch ich jedes Mal aufs Neue erstaunt bin. Allerdings fehlt es ihr wirklich manchmal an Aufmerksamkeit und langer Konzentration. Aber ich finde das mit drei Jahren noch nicht schlimm. Auch spielt sie noch immer mehr für sich, als mit anderen Kindern, ist aber dennoch sehr sozial, mitfühlend, aufmerksam, empathisch und sehr lieb zu den anderen Kindern. Sie hilft, tröstet und teilt. Trotzdem kann sie sich wahnsinnig gut durchsetzen, was für mich besonders wichtig war, jetzt wo sie in die Ü3 Gruppe geht. Auch ist sie überhaupt nicht ängstlich, immer für alles zu haben und ein sehr offenes Wesen. In den meisten Fällen war sie sogar mutiger als jeder Junge in ihrer Gruppe. Sie hat einen starken Charakter und wenn sie fällt, steht sie einfach wieder auf. Das finde ich toll und auch ein stückweit bewundernswert. Da sie von den einen auf den anderen Tag windelfrei war und auch ihre Sprache sich rasant entwickelte, stand also einem Wechsel nichts mehr im Wege. Und so ist sie -neben einem anderen Mädchen- die Zweite, die in die große Gruppe wechselt. Das macht mich ein bisschen stolz, war ich doch immer sehr ängstlich, dass ich sie nicht genug gefördert habe, obwohl ich weiß, dass das Quatsch ist.

Ein paar Gedanken habe ich mir natürlich trotzdem gemacht. Wie der Wechsel wohl laufen würde? Das Zukkermädchen ist zwar aufgeschlossen und taff, aber eben auch ein Gewohnheitsmensch. Sie steht total auf Alltag und ist immer ganz empört, wenn wir davon abweichen ;) Trotzdem macht sie natürlich alles mit. Mal mehr, mal weniger gut. Und natürlich war ich auch wehmütig. Ich habe die Bienchengruppe geliebt. Die Erzieher waren alle so warmherzig und liebevoll. Außerdem war alles noch ein bisschen geschützter. Der Wechsel in die Ü3-Gruppe bedeutet sehr viel mehr Selbstständigkeit und auch wenn ich weiß, dass sie die Kinder nicht wechseln lassen, wenn sie ihnen das nicht zutrauen, hatte ich natürlich ein paar klitzekleine Bedenken. Und was soll ich sagen: Es war mal wieder alles umsonst! Tja, wer hätte das gedacht. Tatsächlich bin ich immer wieder überrascht von meinem Kind, wie wunderbar sie das alles mitmacht. 

Wir erfuhren relativ zeitig in welche Gruppe die Püppi wechseln würde und ich war unendlich glücklich darüber. Sie ist bei einer sehr aufgeweckten Erziehrin, die scheinbar schon lange ein Auge auf die Püppi geworfen hatte. Bei ihr im Raum gibt es Musik und Tanz und Schauspiel. Die Püppi kann sich also voll und ganz ausleben. Da es ab Ü3 bei uns offene Gruppen sind, können die Kinder ja auch überall hin und kommen so auch mit allen Kindern immer wieder in Kontakt. Sie dürfen selbst bestimmen, was sie machen möchten: Kochen, töpfern, handwerken, im Garten helfen, malen, tanzen ....es gibt so viele Möglichkeiten. Nur Mittwochs, da bleiben die Gruppen unter sich. Sie ist jetzt ein großes Glühwürmchen, umgeben von 3-6 Jährigen!

Die Püppi wurde also gemeinsam mit dem anderen Mädchen von der neuen Gruppe samt aller Kinder und Laterne abgeholt und in die neue "große" Gruppe begleitet. Dort haben die großen Kinder, den Frischlingen gezeigt, wo jetzt ihre Dinge liegen und wo sie ihre Zahnbürste usw. finden. Ich finde, es ist ein ganz tolles Ritual. Und schon am ersten Tag empfing uns die jetztige Erzieherin von der Püppi mit den Worten: "Das haben sie aber toll gemacht." Der Mann winkte noch ab und tat so, als hätten wir keinen Anteil daran, aber die Erzieherin sagte: "Doch doch, da spielen sie schon eine Rolle." Eigentlich weiß der Mann das auch. Jedenfalls war es tatsächlich so, als wäre die Püppi schon immer dort und noch nie woanders gewesen. Sie fiel wohl auch totmüde in den Mittagsschlaf. So viel Neues an einem Tag muss ja erst einmal verarbeitet werden. Als ich sie am Abend fragte, ob sie morgen wieder in den Kindergarten möchte, sagte sie nur: Nein, ich will zur (Name der Erzieherin). Sie war also wirklich angekommen und hatte ihre neue Erzieherin schon komplett ins Herz geschlossen. Uns wurde gesagt, dass es sein kann, dass die Püppi eventuell nochmal einmacht - das würde öfter nach einem Wechsel passieren, eben weil es so viel Neues gibt und sie manchmal über dem Spiel vergessen selbstständig auf die Toilette zu gehen. Habe ich auch oft gehört, aber bisher? Nichts. Nicht ein einziges Mal. Dazu muss ich ja auch sagen, dass die Püppi das generell wahnsinnig toll gemacht hat. Der Schalter war umgelegt und ich kann nicht einmal etwas von nassen Laken in der Nacht schreiben, weil ich tatsächlich nicht ein einziges wechseln musste.

Am zweiten Tag konnte die Püppi dann schon Dreirad fahren. Eigentlich war das immer ein bisschen groß und schwer, aber zwei Tage haben gereicht um es zu lernen. Sie hatte sogar noch einen Hänger dran auf dem zwei ihrer Freundinnen saßen. Das war ein herrlicher Anblick sage ich euch. Und auch gegen die Großen weiß sie sich zur Wehr zu setzen und lässt niemanden vordrängeln, wenn sie doch eigentlich an der Reihe war. Wir holen täglich ein wirklich glückliches Mädchen ab und auch die Erzieherin ist nach wie vor begeistert von der Püppi, auch wenn man bei ihr manchmal einmal mehr "Halt" oder "Mach mal langsam" sagen muss, aber das kennen wir ja nicht anders. Mittlerweile glaube ich, dass es genau das Richtige war. Als wäre die Püppi (gerade motorisch) schon in der Bienchengruppe unterfordert gewesen. Jetzt kann sie sich noch viel mehr austoben und noch mehr selbstständig sein - das ist sie nämlich wirklich gerne. Sie kann fast alles alleine. Spontan fällt mir von alltäglichen Dingen nichts ein, was sie noch nicht selbst kann. Und wenn doch, bittet sie um eine helfende Hand, die sie aber eigentlich meistens nicht benötigt hätte. Ich bin wirklich verdammt nochmal so glücklich und stolz und ich finde, dass darf ich auch sein und ebenfalls offen zugeben. 

Nun waren wir gestern noch bei der U7a. Da hatte ich eigentlich keine Bedenken mehr. Erstens, weil wir ja seit einiger Zeit bei einem viel besserem Arzt sind und zweitens, weil ich nicht gewusst hätte, woran die Püppi hätte scheitern sollen. Und so war es dann auch. Sie baute Türmchen, benannte Farben (ihre riesengroße Leidenschaft - sie sortiert alles nach Farben, spielt nach Farben ... alles einfach), malte eine Sonne und ein Gesicht. Zählen musste sie nicht, das hätte sie aber auch gekonnt. Dann lag auf dem Tisch noch ein Papier mit vielen Bildern darauf, welches aber noch gar nicht für unsere Untersuchung, sondern schon für eine höhere war und die Püppi konnte von schätzungsweise 30 Bildern 27 benennen. Und die, die sie nicht benennen konnte, mit denen ist sie einfach noch nicht in Berührung gekommen z.B.: Knochen oder Krone (bei ihr sind alles Mützen oder Hüte). Die Püppi ist also soweit bestens entwickelt und Ende August werden dann noch die rein körperliche Untersuchung und die Impfungen folgen. Das haben wir kurzerhand beschlossen, weil das Zukkermädchen am Anfang nicht zum Arzt wollte, weil ihr beim letzten Mal Blut gezogen wurde, wegen einem Allergietest. Und obwohl sie dabei nicht einen Ton gemacht oder geweint hat, blieb ihr das wohl schlecht in Erinnerung. Sie war ja auch knallhart und hat hingeschaut wie das Blut aus ihr rausgezogen wurde. Jedenfalls sagte sie vor der Tür beim Arzt: Meine Arme nicht zum Docdoc (keine Ahnung woher sie das hat, hihi). Also beschlossen wir gemeinschaftlich, dass sie nicht einmal den Arzt sehen sollte, um das Erlebnis in guter Erinnerung zu behalten und beim nächsten Mal kommt dann eben wieder der weniger schöne Teil, aber ich weiß, sie wird das trotzdem super meistern. 

Ich bin wirklich wahnsinnig stolz auf die Püppi und kann nicht ansatzweise in Worte fassen, wie sehr ich dieses Mädchen liebe. Wie glücklich sie mich macht und wie sehr sie unser Leben bereichert. Dieser kleine Wirbelwind, mit diesem riesengroßen Herzen, raubt mir zwar manchmal wirklich den letzten Nerv, aber ich schaue zu ihr auf, weil ich so viel von ihr lernen kann und weil am nächsten Tag immer alles vergessen ist. Sie ist nicht nachtragend, also bin ich es auch nicht. Und so soll es bleiben, denn nachtragend zu sein, das mag ich eh nicht. Und obwohl das Zukkermädchen ein Wirbelwind ist und immer alles besser weiß (kleiner Klugscheißer), ist sie ebenso verletztlich und auch wenn ich nichts schlimmer finde, als das mein Mädchen verletzt wird, so zeigt es mir einmal mehr, wie groß ihr Herz ist und wie sehr sie Menschen darin einschließt. 

"Wir waren einmal bei Bekannten im Garten. Wir kennen uns aus der KiTa und die Mädchen mögen sich eigentlich. Sie rasseln natürlich aneinander, aber sie haben das gemeinsame Spiel für sich entdeckt. Sind beide gut drauf, klappt auch alles erstaunlich gut und es ist wirklich entspannt. Einmal wollte die Freundin die Püppi auf der Schaukel anschubsen und die fand' das auch toll und hat gelacht und gegurgelt. So süß. Dann wollte die Freundin auf die Schaukel und die Püppi wollte sie anschubsen. Das Gleiche, nur umgekehrt. Ganz normal. Aber das fand' die Freundin vom Zukkermädchen wohl doof und schrie rum, sie würde nur von ihrer Mama angeschaukelt werden wollen. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie traurig und enttäuscht die Püppi war. Sie hat das ja auch gar nicht verstanden. Warum weint ihre Freundin, sie hat doch nichts gemacht. Erklär das mal so einem Mäuschen. Da habe ich so sehr gespürt wie verletztlich sie ist und will mir gar nicht vorstellen, was mich da noch erwartet, denn schon diese Situation hat mir mein Herz zerrissen."

Püppi, ich liebe dich so sehr, dass es mich um den Verstand bringt und ich werde immer da sein, deine Hand halten, dein Herz heilen und an deiner Seite weilen, wann immer du es willst oder wann immer du es brauchst. Du bist mein Herz. Mein Leben. 













1 Kommentar on "Mein kleines Mädchen"
  1. Wunderbar, einfach wunderbar! Und in dem wunderbar steckt genau das drinnen, was Du schreibst, die Wunder! Die Wunder, die so ein kleines Wesen bedeuten! Toll, wie sich das Zukkermädchen auf die Veränderung eingelassen hat! Mach weiter so, kleines, großes Mädchen! Lieben Gruß aus Hamburg

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