Gedankenmatsch #5

Freitag, 8. November 2013
Sobald es draußen richtig kalt wird und es langsam beginnt in der Nacht eisig zu werden ist es auch an der Zeit, das Grab von unserem Engel Jonas winterfest zu machen. Wir kaufen dann haeufig neue Erde, vier Bund Tannengruen, ein neues Grablicht in Herzform und einen neuen Gedenkstein. Bei dem Grablicht und dem Gedenkstein ist es so, dass sie meistens nicht laenger als ein Jahr durchhalten und dann Risse bekommen bzw. broeckeln. Mit der Tanne wird das Grab abgedeckt. Wir pflanzen immer noch etwas, dass den Winter uebersteht, einfach weil wir es schoener finden. Ausserdem befinden sich auf dem Grab noch viele liebe Andenken, von wundervollen Menschen und unser Gesteck vom Geburtstag. Dieses wurde uns so gefertigt, dass es den Winter uebersteht und hat eine Herzform. Als ich heute alles hergerichtet habe war ich danach einfach unendlich gluecklich und habe das auch gefuehlte 1000mal kundgetan. Ich freue mich einfach immer so sehr, wenn das Grab so wunderschoen neu aussieht. Dabei ist es schon etwas ueber 2 Jahre her, seitdem unser Schatz von uns ging.

Und besonders an solchen Tagen, an denen ich mich so intensiv mit Jonas und seinem Platz beschaeftige, denke ich unheimlich viel nach. Besonders nachdem die Freude ueber die Schoenheit des Grabes verflogen ist, moechte ich nur noch weinen. Es ist wie eine Last, die ich auf dem Herzen trage. Ich glaube wirklich, dass ich die Trauer zu oft nach hinten schiebe. Als Schutzmechanismus. Mit dem Schaefchen moechte ich eine gluecklich Zeit verleben, nicht traurig sein. Viel zu oft habe ich dann das Gefuehl Jonas auszuschließen. Als das Schaefchen noch kleiner war, habe ich oefter dieses eine Lied gespielt, bei dem ich immer weinen muss. Weil es sein Lied ist. Wenn ich es hoere, kann ich die Traenen nicht aufhalten. Dann habe ich seine Fotos angeschaut. Und der Trauer den Weg frei gemacht - sich fuer diesen Moment voll und ganz auszubreiten. Das habe ich lange nicht mehr getan. Trotzdem sind meine Gedanken jeden Tag bei meinem Engel. Er fehlt. Immer. Mein Herz wird nie richtig verheilen. Da fehlt immer ein Stueck. Es ist nicht mehr vollstaendig, weil ein Teil fehlt. Es ist die Narbe, welche nie verblasst und immer wieder aufreißt. Aufreißen muss. Weil ich sonst Angst habe, zu viel von meinem Sohn zu vergessen. Ich weiß kaum noch wie er roch oder sich anfuehlte. Ich durfte nie in seine Augen blicken und ihn lachen sehen. Nie durfte ich seine Stimme in meinem Ohr vernehmen. Dabei wuerde ich alles dafuer tun. Ich moechte ihn neben mir sitzen haben, lachend. Ich moechte ihn einmal zurueckholen koennen um ihn in seine Augen zu schauen und ihm zu sagen wie sehr ich ihn liebe und wie sehr er mir fehlt. Ich moechte ihn fest an mich druecken und seinen Geruch fuer immer in mich aufnehmen.

Aber am Ende des Tages weiß ich, dass all diese Wuensche niemals in Erfuellung gehen werden. Ich werde den Bilder-Ordner oeffnen und die Fotos von meinem atemberaubenden Engel ansehen. Ihm fuer alles danken was er mich gelehrt hat und vor allem dafuer, dass er mir das Geschenk gemacht hat, die Mama vom Schaefchen sein zu duerfen.

Ich kann diese bedingungslose Liebe zu meinen wundervollen Kindern nicht in Worte fassen. So viel habe ich zu sagen und koennte ich noch schreiben, aber nichts koennte euch beschreiben was ich fuehle. Ich liebe, lebe und trauere. Ich bin stark und ganz oft schwach. Und alles was ich geben kann, gebe ich. Mit meinem ganzen Herzen. Weil mehr nicht geht. Und auch wenn ein Stueck von meinem Herzen fehlt, bringt das Schaefchen es jeden Tag zum Strahlen und es pocht doppelt so schnell, wenn sie mir in die Augen schaut und "oppe" (=Hoppe Reiter) sagt oder auf meinem Kopf "aiii" macht oder wenn sie mir einen Kuss gibt. Wenn sie sich an mich lehnt, wenn sie will das ich sie in die Arme nehme und trage. Wenn sie gluecklich ist, bin ich es auch. Und Jonas begleitet uns auf diesem Weg.


Jonas - tief im Herzen und Helene - fest an der Hand ❤️


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