[Gedankenmatsch] Höhen und Tiefen. Sorgen und Ängste.

Freitag, 24. Oktober 2014
Ich muss mal wieder meinen Kopf leeren und ich lasse euch daran teilhaben. Die letzten Wochen und Monate haben mich ziemlich ausgelaugt. Ich weiß gar nicht so genau warum, aber vermutlich liegt es an den vielen Veränderungen. Vielleicht liegt es daran, dass ich selbst mehr will, als ich schaffe. Auch mit gutem Willen. Und wenn ich mir zu viel vornehme, mache ich schon mal gleich gar nichts. Ich bin reizüberflutet, überlastet, kopflos und irgendwie weit weg. Ich träume wieder häufiger schlecht, habe generell schlechte Nächte - ob die Püppi nun einen Alptraum hat oder nicht, dass spielt keine Rolle, ich bin meistens eh noch halb wach. Ich nehme mir so viel vor, will hier und da helfen und immer an drei Orten gleichzeitig sein. Immer wieder muss ich feststellen, dass es nicht geht. Das ist ja eigentlich logisch, aber vorher in meinem Kopf hat es noch funktioniert. Aber denken und machen sind zwei grundverschiedene Dinge. So schmeiße ich also wenigstens den Haushalt komplett allein. Alles was ich schaffe, wozu ich mich aufraffen kann. Ich koche mindestens einmal am Tag und bereite sonst noch Frühstück und Abendessen zu. Ich kümmere mich um den Blog, um anstehende Projekte, um Arbeit ... doch alles auf einmal geht nicht. Ich muss mich bremsen, denn ich kann nicht mehr. Vielleicht mag das dem ein oder anderen lächerlich erscheinen, müssen doch andere Menschen so viel mehr wuppen und das JEDEN TAG! Richtig. Das ist so. Aber das erste Mal in meinem Leben, ist da jemand - so ein kleiner, süßer Mensch - der mich immer braucht. Dieses süße Wesen, welches beschäftigt werden will, welches Dinge erleben will. Abenteuer. Ich versuche es, so gut es geht, ihr gerecht zu werden und die Tage aufregend und bunt zu gestalten, aber nicht immer gelingt es mir.

Seitdem die Püppi in die KiTa geht ist sie andauernd krank. Das bin ich SO auch nicht gewöhnt und es ist wahnsinnig kräftezehrend. Bei jeder Schnoddernase habe ich Angst, dass es wieder eine ernsthafte Erkältung oder Magen-Darm-Erkrankung wird. Schon dann rattert mein Kopf, wie wir diese Nächte erneut meistern sollen. Der Mann ist ausgelaugt vom Job, in dem er manchmal 9-14 Tage am Stück arbeiten muss. Oft ist er drei von vier Wochenenden im Monat nicht zuhause und ich habe kein Auto. Somit kann ich nichts groß Aufregendes mit der Püppi erleben und dabei sind gerade jetzt, die Wochenenden so kostbar. Ich bin wahnsinnig zwiegespalten, denn ich trauere tatsächlich noch immer jeder Minute hinterher, die mein Zukkermädchen nicht zuhause ist. Nicht bei mir. Es gibt richtig gute Tage, wo ich mich darauf freue, ein paar Stunden für mich zu haben. Aber besonders am Montag, nachdem ich das Wochenende komplett mit der Püppi verbracht habe, fehlt sie mir besonders und ich zähle gegen Ende jede Minute, bis ich sie wieder in meine Arme schließen kann. Denn die Zeit mit dem eigenen Kind ist so kostbar. Klingt alles ziemlich unlogisch, oder? Für mich erschließt sich auch nicht immer alles, ganz gewiss nicht und das macht es auch nicht gerade leichter. Die Püppi fordert sehr viel, sie entwickelt sich so schnell weiter, dass ich gar nicht weiß, wo mir der Kopf steht. Ich weiß oft nicht, wie ich sie am besten fördere ohne sie zu langweilen. Ich zermatere mir den Kopf, was wir tun können, lasse mich inspirieren. Aber die ganzen Inspirationen überfordern mich. Ich weiß nicht wo ich anfangen soll. Überglücklich bin ich, wenn ich einen Punkt abhaken konnte. Und wenn es nur das Abpausen von Blättern mit Wachsmalstiften ist. Oder die Knete. Oder ein Kuchen. Und trotzdem wartet da so viel mehr.

Und dann sind da die Mütter mit ihren Blogs und Instagram-Accounts, die das alles -mit mehr Kindern- so viel besser händeln, als ich es schaffe. Ich komme mir schlecht und kraftlos vor. Das Gefühl nicht auszureichen, nicht gut genug zu sein, bekommt dann noch mehr Platz. Es breitet sich in meinem Leben aus und macht mich richtig fertig. Ich verabscheue dieses Gefühl, weil ich weiß, dass ich vermutlich alles tue was ich kann. Vielleicht, ja vielleicht könnte ich es noch besser machen. Vielleicht könnte ich mehr schaffen. Vielleicht sollte ich mir mehr Ich-Zeit schaffen, aber ich weiß nicht mehr wie. Als vor 3 Wochen ein Nagellack in mein Körbchen hüpfte (in einer wunderschönen Herbstfarbe für gerade mal 1,49€) will ich meine Nägel lackieren. Ihr könnt euch denken, dass ich diesen Eintrag mit unmanikürten Nägeln schreibe, oder? Und das ist nur ein Beispiel. Ich kann mich nicht mal dazu aufraffen. Nicht einmal dann, wenn ich eventuell diese Zeit hätte. Und das lässt sich auf die verschiedensten Situationen übertragen.

Ja, ich bin momentan so wahnsinnig unzufrieden mit mir. Mit dem, was ich aus meinem Leben mache. Mit dem was ich aus dem Leben meiner Tochter mache. Das Gefühl nicht gut genug zu sein, ist größer als jemals zuvor. Dabei weiß ich ganz genau, dass ich viel richtig mache. Immer dann, wenn die Püppi mich freudestrahlend empfängt, wenn ich sie aus der KiTa abhole und sie in meine Arme rennt und ich sie ganz fest an mich drücke. Immer dann, wenn sie mit mir kuscheln will und meine Hand einfordert. Immer dann, wenn wir gemeinsam Mittagsschlaf machen und ihr Herz auf meinem schlägt, wenn sie mir so nah ist, wie sonst fast nie. Immer dann, wenn ihre Liebe so greifbar ist und wenn sie mich so bedingungslos liebt, weiß ich, dass ich doch eine gute Mama bin. Aber ich habe auch Grenzen, Schwächen und bin nicht perfekt. Und momentan ist das ein Tief aus dem ich mich rauskämpfen muss, aber das ist gar nicht so leicht.

Es sind die kleinen Dinge, die mich hochbringen. Zum Beispiel das morgendliche Zubereiten der Brotdose, die bei euch und auch in der KiTa immer total klasse ankommt - für die ich Komplimente bekomme. Es ist dieses stolze Gefühl, wenn die Erzieherin mir sagt, dass die Püppi so wahnsinnig umgänglich ist, dass sie sich mit jedem versteht und es NULL, wirklich NULL Probleme gibt. Wenn man mir sagt, dass sie sich um andere kümmert und nie will, dass jemand alleine dasteht oder kein Spielzeug mehr hat. Ich bin dann tief gerührt und weiß, dass ich etwas richtig gemacht haben muss. Es ist zauberhaft wie die Püppi am Morgen alle begrüßt "MOOOORGÄN" und wie sie sich immer verabschiedet "Tsüüüss, b später" und dann Handküsse verteilt. Sie ist mein kleines, zauberhaftes Mädchen mit einem Herzen aus Gold. Ich bewundere sie, mein kleines Duracell Häschen auf Speed, jeden Abend, jeden Morgen. Diese unbändige Energie, die Kraft jede Krankheit durchzustehen und so tapfer zu sein, dass sie sich eine Medaille verdient hätte. Das liebevoll gestaltete Bild für den Papa, weil er schon wieder so spät nach Hause kommt, dass er sie nicht ins Bett bringen kann und deswegen zwischendurch 30 Minuten zu uns kommt und welches sie ihm freudestrahlend an der Haustür überreicht. Das alles ist mein kleines Mädchen, Liebe auf zwei Beinen für die ich aus dem Loch klettern will und muss, damit ich ihr genau das bieten kann, was sie verdient. Den Himmel auf Erden.


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